Die Einführung digitaler Impf-Zertifikate (Impfpässe) wird sicher eine große Rolle bei der Wiederaufnahme des weltweiten Geschäftsreiseverkehrs spielen. Allerdings müssen vor der Einführung noch viele Fragen beantwortet und Bedenken ausgeräumt werden.

Der Geschäftsreiseverband Global Business Travel Association (GBTA) hat bei einer Umfrage festgestellt, dass nach Meinung von zwei Dritteln der Befragten (66 %, in Europa sogar 72 %) die Einführung der digitalen Gesundheitsüberprüfung zur weiteren Öffnung des Reiseverkehrs und zur Verringerung der obligatorischen Quarantänen führen werde.
Derzeit gibt es einen solchen Impfpass z.B. in Israel, aber viele Länder und auch einzelne Städte wie New York sind sehr aktiv, um eigene Impfpässe zu entwickeln. Die EU will im Juni mit einem eigenen digitalen Impfpass starten. Die verschiedenen Zertifikate werden Gemeinsamkeiten aufweisen wie den Smartphone-zentrierten Ansatz und den Aufbau eines Netzwerks von beteiligten medizinischen Anbietern und Laboren, die die Impfstoffe verabreichen und die Tests durchführen.
Andererseits gibt es viele Faktoren, die die einzelnen Projekte unterscheiden, vom Design bis zur technologischen Basis. Das kann zu Problemen bei der internationalen Akzeptanz führen. Das größte Problem aber ist die Garantie der Sicherheit und des Datenschutzes der sensiblen medizinischen Informationen, die in den digitalen Pässen gespeichert werden.Vor allem in der Europäischen Union mit ihrem strengen Regeln im Rahmen der „General Data Protection Regulation" (GEPR) wird das Compliance-Risiko, das mit der Speicherung und dem Umgang mit personenbezogenen Daten verbunden ist, sehr kritisch gesehen. Ob die Lösung dieses Problems darin liegen kann, die Daten auf dezentralen und anonymisierten Blockchain-basierten Systemen zu speichern, erscheint fraglich. Diesen Ansatz verfolgen u.a. der Digital Health Pass von IBM und der AOKpass, der von der Internationalen Handelskammer gemeinsam mit International SOS entwickelt wurde.
Einen anderen Ansatz verfolgt die International Air Transport Association (IATA) mit ihrer App „Travel Pass". Dabei werden biometrische Merkmale genutzt, um den Zugang zu Gesundheitsdaten zu sichern und sicherzustellen, dass der Inhaber des digitalen Impfpasses die gleiche Person ist, für die er ausgestellt wurde. Der Travel Pass basiert im Wesentlichen auf dem in der Entwicklung befindlichen One-ID-Konzept der IATA, bei dem Passagiere biometrische Identifikatoren anstelle von Papierdokumenten für Reisen verwenden. Seit Mitte März wird der Travel Pass mit Singapore Airlines getestet.
Ein weiteres Problem für vielreisende Geschäftsleute ist, dass sie eine erhebliche Zahl digitaler Pässe mit führen müssten, wenn sie in verschiedene Länder einreisen oder Zugang zu einer bestimmten Veranstaltung oder einem Veranstaltungsort erhalten möchten. Abhilfe könnte der CommonPass schaffen, der von der Schweizer Non-Profit-Organisation The Commons Project Foundation und dem World Economic Forum entwickelt wurde. Er wird von verschiedenen Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, Swiss und United Airlines, akzeptiert und sichert den Zugang zu Veranstaltungsorten, was mit der Zunahme größerer Firmenveranstaltungen und Meetings an Bedeutung gewinnen wird.