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Die Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungsleistungen ab 1. Januar 2010 auf sieben Prozent stößt auf immer heftigere Kritik. Obwohl der Finanzausschuss mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen zugestimmt hat, äußern sich zahlreiche Politiker aus den Reihen der Regierungskoalition und Experten verständnislos bis ablehnend. Auch der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) kritisiert, dass Firmenkunden und Reisende mit enormen Mehrbelastungen rechnen müssen.

Das Vorhaben werde immmer mehr zu einem „Bürokratiemonster“, schimpfte der CDU-Abgeordnete Manfred Kolbe, Mitglied des Finanzausschusses des Bundestages. 15 von 16 geladenen Experten hätten „diesen Unsinn zerpflückt, wie ich das noch nie im Fall einer Regierungsvorlage erlebt habe,“ so Kolbe. Tatsächlich widerspricht das Steuergeschenk für Hotels zumindest der Forderung des Koalitionspartners FDP nach Abbau der Bürokratie. Denn Hoteliers müssen künftig auf den Rechnungen Übernachtung und Frühstück getrennt ausweisen, da für das Essen weiterhin 19 Prozent Mehrwertsteuer zu zahlen sind.

Die Hotellerie selbst hat sich keine Freunde gemacht, da nach Aussagen von Branchenvertretern die meisten Hoteliers nicht bereit sind, die Ersparnis durch die reduzierte Mehrwertsteuer an die Gäste weiterzugeben. Das stößt auch dem Branchenverband VDR übel auf: Präsident Dirk Gerdom macht deutlich, dass eine Steuersenkung nur akzeptabel sei, wenn ein Teil der Mehreinnahmen an die Firmenkunden in Form von niedrigeren Preisen weitergegeben werde. Denn die Mehrwertsteuersenkung für Beherbergungsleistungen im Hotel- und Gastronomiegewerbe werde de facto Mehrkosten für diese Zielgruppe nach sich ziehen:

• Wenn die Brutto-Preise gleich bleiben, bedeutet dies für Unternehmen, die am Vorsteuerabzugsverfahren teilnehmen, eine klare Mehrbelastung, da der Vorsteuerabzug niedriger ausfällt.
• Wenn das Frühstück als Nebenleistung ab Januar anders besteuert wird als die Übernachtung, müsste das auf der Rechnung separat ausgewiesen werden. Das führt für jede einzelne Hotelnacht mit Frühstück zu zusätzlichen Abrechnungsprozessen sowohl für die Firmenkunden als auch für die Hotellerie. Zusätzliche Prozesse bedeuten immer zusätzliche Kosten.
• Gleichzeitig müsste das Frühstück den Reisenden bei der Reisekostenabrechnung künftig in voller Höhe abgezogen werden statt wie bisher lediglich in Höhe des „Sachbezugswertes“. Das heißt, Reisende zahlen dann ihr Frühstück selbst, was teilweise kaum durch die Verpflegungspauschale abgedeckt werden kann.

„Alles in allem bringt die Mehrwertsteuer-Senkung neben den Chancen für Investitionen und Qualität also vor allem deutliche Risiken und Belastungen für Firmenkunden und Reisende“, fasst Dirk Gerdom zusammen. „Wenn die Steuersenkungen tatsächlich dazu beitragen sollen, die schwächelnde Konjunktur wieder auf die Beine zu bringen, dann müssen diese Mehrbelastungen minimiert werden.“

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