Die mailändische City-Maut wird vom Weltverkehrsforum ausgezeichnet und erhält den Transport Achievement Award 2014 für ihr innerstädtisches Mautsystem „Area C“.

Der Preis wird jedes vom Weltverkehrsforum der OECD, einer zwischenstaatlichen Organisation für den Verkehrssektor mit 54 Mitgliedstaaten, vergeben. Die Verleihung fand am 21. Mai 2014 anlässlich der Eröffnungssitzung des Jahresgipfels der Verkehrsminister, der vom Weltverkehrsforum ausgerichtet wird, im Beisein von Verkehrsministern aus aller Welt statt.

Große Mehrheit für Mautsystem
Mailand, das besonders stark vom Autoverkehr abhängt, zählt zu den wenigen europäischen Städten, die ein City-Mautsystem eingeführt haben. Das Projekt, bekannt als „Area C“, wurde im Januar 2012 nach einer Volksbefragung eingeführt. In dem Referendum hatten sich 79,1% der Wähler für die Erweiterung der bestehenden City-Maut auf ein größeres Gebiet und mehr Fahrzeugtypen ausgesprochen.

Die Unterstützung der Bürger für eine umfassende City-Maut war damit weit umfassender als in anderen Städten, in denen ähnliche Gebühren per Referendum eingeführt wurden. In Stockholm etwa unterstützten 51% der Wähler eine Maut, in Manchester und in Edinburgh wurden Gebührensysteme in Volksentscheiden abgelehnt. (Die Staugebühr für die Londoner Innenstadt wurde 2003 ohne Volksbefragung eingeführt).

Alle Fahrzeuge, die in die Area C in Mailand einfahren, werden an 43 elektronischen Mauttoren mit automatischer Kennzeichenerkennung erfasst. Die Gebühr je Zufahrt beträgt 5 Euro. Ausgenommen sind Mopeds, Motorräder, Elektroautos, Fahrzeuge für Behinderte sowie einige andere Fahrzeugkategorien. Die Einwohner dürfen jährlich 40 Mal gratis einfahren und bezahlen ab der 41. Zufahrt jeweils 2 Euro.

Messbarer Erfolg
Das Programm beugt Staus wirksam vor; die Zahl der einfahrenden Fahrzeuge in der Area C sank um 28%. Die Nachfrage nach Straßenparkplätzen fiel um 10%, während die Produktivität bei Anlieferungen innerhalb Mailands um 10% stieg. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ging um 26,3 % zurück. Auch die Emissionen wurden reduziert: Feinpartikel (PM10) um 10% und CO2 um 35%. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs stieg (Bus um 6,9%, Straßenbahn um 4,1%). Auch sind die Autos, die in der Area C fahren, sauberer: Der Anteil umweltfreundlicher Pkw stieg von 9,6% auf 16,6% aller Fahrzeuge.

Die Jury des Weltverkehrsforums würdigte die erfolgreiche Umsetzung einer umfassenden City-Maut als „wichtige Maßnahme zur Verbesserung des urbanen Verkehrssystems“. Besonders beeindruckte die Juroren, wie die Stadt Mailand sich die Unterstützung der Einwohner sicherte: „Die Stadtverwaltung erkannte, dass die bestehende City-Maut nicht mehr den Anforderungen entsprach. Sie besaß nicht nur den Weitblick und den politischen Mut, einen effizientere Lösung auszuarbeiten, sondern auch die Fähigkeit, das neue System erfolgreich umzusetzen.“

„Die Auszeichnung stellt eine der wichtigsten Anerkennungen für die von unserer Stadtverwaltung getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt dar“, erklärte Mailands Bürgermeister Giuliano Pisapia. „Mailand hat ein Modell entwickelt, das in Europa wie auch weltweit den Standard setzt.”

„In sehr kurzer Zeit haben wir äußerst zufriedenstellende Ergebnisse bei der Verringerung des Verkehrsaufkommens wie beim Abbau schädlicher Emissionen erreicht. Positiv ist auch, dass die Mailänder Bürger wie Besucher unserer Stadt zunehmend öffentliche Verkehrsmittel benutzen, die im Rahmen der Area C ausgebaut wurden“, erklärte Giuliano Pisapia.

Auf den Plätzen für den Transport Achievement Award 2014 landeten der Airport Council International Europe mit der „Airport Carbon Accreditation“, dem ersten eigens für die Luftfahrt konzipierten Kohlendioxid-Managementprogramm sowie die Londoner Verkehrsbehörde (Transport for London) mit ihrer Open-Data-Strategy, die zur Entwicklung von mehr als 190 Smartphone-Verkehrsanwendungen für London führte.