Nicht nur hinsichtlich der aktuellen Rabattkürzung sowie Preiserhöhung der Deutschen Bahn (DB) gibt es Diskussionsbedarf. In einer Mitgliederbefragung hat der deutsche GeschäftsreiseVerband VDR die Anforderungen von Firmenkunden bei Reisen mit der Bahn abgefragt.


Die Ergebnisse liefern konstruktiven Input für den VDR-Fachausschuss Bahn, der sich regelmäßig mit Vertretern der Deutschen Bahn
austauscht. Grundlage dieser Meetings ist ein Forderungskatalog, der kontinuierlich mit dem Input aus der VDR-Mitgliedschaft ergänzt wird.

Neue Rabattstaffelung ab 2014 bringt Nachteile für Firmenkunden
Seit Jahren fordert der VDR-Fachausschuss Bahn eine flexiblere Rabattierungsmöglichkeit, die die DB den Firmenkunden je nach Umsatzvolumen gewährt. Jetzt hat die DB angekündigt, ab Januar 2014 eine neue Form des Firmenkundenrabatts für Unternehmen einzuführen. „Für die Unternehmen bringt das jedoch Nachteile mit sich, weil die bisherige bahn.corporate-Rabattstaffel massiv reduziert wird“, sagt Axel Carneim, Leiter des Fachausschusses Bahn im Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR), der sich für die Optimierung
von Produkten und Prozessen rund um das Bahnreisen für Firmenkunden einsetzt. Der maximale Rabatt für die umsatzstärksten
Kunden wird nur noch fünf statt bisher neun Prozent betragen. Diese fünf Prozent werden außerdem erst ab einem Jahresvolumen von 200.000 Euro gewährt – bisher ab 35.000 Euro. „Noch ärgerlicher ist das in Kombination mit weiteren Preiserhöhungen zum nächsten
Fahrplanwechsel, die ab Mitte Dezember gelten. Travel Manager beißen damit doppelt in den sauren Apfel“, sagt Carneim.

Beispielsweise verärgert die Erhöhung des Preises für Sitzplatzreservierungen um 50 Cent auf 4,50 Euro die Travel Manager, denn hier handelt es sich um ein sattes Plus von 12,5 Prozent. Der Kommentar eines anderen Travel Managers hierzu: „Nachdem die Bahn bereits vor zwei Jahren den Preis für Sitzplatzreservierungen massiv erhöht hat (damals um 60 Prozent in der zweiten Klasse online gebucht), entstehen uns hier schon wieder Mehrkosten in fünfstelliger Höhe. Besonders ärgerlich ist, dass die Bahn stornierte Sitzplätze nicht einmal erstattet, obwohl diese wieder verkauft werden können.“

VDR fordert mehr Transparenz
Zwar sollen zukünftig individuelle Sondervereinbarungen zwischen DB und Firmenkunden verhandelt werden können, allerdings ist derzeit noch unklar, wie sich die Bedingungen gestalten werden und welchen Verhandlungsspielraum die Bahn zulassen wird. „Sinkenden Rabatten
und steigenden Kosten im Bahnbereich müssen echte Mehrwerte für die Corporate-Kunden gegenüberstehen. Welche das sind, sagen wir
als VDR-Fachausschuss der Bahn gerne und erwarten hier konstruktive Gespräche. Beste Basis dazu bieten unser Forderungskatalog und die
Ergebnisse der Mitgliederbefragung“, sagt Carneim.

VDR-Mitgliederbefragung bestätigt „Baustellen“
Positiv wertet der VDR, dass die DB künftig neben dem kontinuierlichen Abbau von „Baustellen“ wie ICE-Engpässen die Produktverbesserung
und die Prozessoptimierung für Firmenkunden vorantreiben möchte. In diesem Zusammenhang drängt der VDR-Fachausschuss Bahn auf die zeitnahe Umsetzung bereits artikulierter Forderungen. Diese hat auch eine VDR-Mitgliederbefragung bestätigt. Für mehr als die Hälfte der
teilnehmenden Unternehmen hat Folgemobilität eine große Bedeutung.
Grundlage für diesen lückenlosen Prozess von Tür zu Tür für Reisende sind vor- und nachgelagerte Systeme (also Buchungs- und
Zahlungsprozesse unabhängig vom Buchungskanal, Schnittstellen zur firmenspezifischen Software usw.). Die Forderungen des Fachausschusses Bahn auf Grundlage der VDR-Mitgliederbefragung umfassen deshalb nicht nur ein detailliertes Reporting für die BahnCard
Business und die Optimierung von Bezahl- und Controllingprozessen, sondern auch eine One-Stop-Shopping-Lösung mit Integration in
Bezahlungs- und Abrechnungsprozesse sowie die Online-Buchbarkeit aller Strecken im In- und Ausland.

Axel Carneim fasst die Ergebnisse zusammen: „Wir haben bereits wichtige Grundsteine gelegt für eine konstruktive Zusammenarbeit mit
der Bahn. Die Baustellen sind jedoch noch groß. Und gerade in einer Zeit, in der die DB Rabattkürzungen und Preiserhöhungen durchsetzt,
ist es umso wichtiger, dass Produkt, Service und Prozesse für Firmenkunden – auch durch den Austausch zwischen VDRFachausschuss
und der Bahn – optimiert werden. Sonst werden den Travel Managern eventuell bald schlagkräftige Argumente fehlen, um
Geschäftsreisen in ihren Unternehmen auf die Bahn zu steuern“. Einige Forderungen wie die Graphical Seat Map und das City Ticket am
Startbahnhof konnte der Fachausschuss Bahn bereits durchsetzen. „Aufgrund der Tatsache, dass die Fachausschuss-Arbeit auf
ehrenamtlicher Basis erfolgt und Prozesse seitens der DB aufgrund der Konzerngröße nicht von heute auf morgen geändert werden, ist ein
großes Maß an Geduld erforderlich, um die Forderungen konsequent weiterzuverfolgen“, ergänzt Bernd Ruttloff, im VDR-Präsidium zuständig
für das Thema Bahn.