Künstliche Intelligenz in der Luftfahrt wird erwachsen. Während Chatbots bislang vor allem Passagierfragen beantworteten, verlagert sich der Einsatz sogenannter „agentic AI“ in operative Schlüsselprozesse. Laut einer aktuellen Analyse von PhocusWire erproben Fluggesellschaften und Technologieanbieter autonome KI-Agenten für Netzplanung, Überbuchungsmanagement, Turnaround-Prozesse und die Bearbeitung von Unregelmäßigkeiten. Der Unterschied zu klassischen Assistenzsystemen: Diese Anwendungen sollen nicht nur Informationen liefern, sondern innerhalb vorgegebener Regeln selbstständig Arbeitsschritte ausführen und miteinander koordinieren.
Ein praktisches Beispiel liefert die Kapazitätssteuerung. Die Plattform Vector des Anbieters Volantio wird bei Alaska Airlines eingesetzt, um überbuchungsgefährdete Flüge frühzeitig zu identifizieren und geeignete Reisende mit Angeboten für alternative, weniger stark nachgefragte Verbindungen anzusprechen. Dabei können die Regeln so definiert werden, dass etwa Umsteigepassagiere nicht angesprochen werden, wenn eine Verschiebung ihre Gesamtverbindung gefährden würde. Southwest Airlines nutzt agentenbasierte KI wiederum nach eigenen Angaben, um die Entwicklung und Erprobung neuer Crew-Scheduling-Systeme zu beschleunigen sowie Daten für Business-Intelligence-Teams aufzubereiten.
Für Geschäftsreisende liegt die Chance in einer schnelleren, individuelleren Behandlung bei Störungen. Die Kehrseite ist eine neue Governance-Aufgabe. Wenn Algorithmen Umbuchungsvorschläge, Kompensationen oder Prioritäten steuern, müssen Corporate-Travel-Programme nachvollziehen können, welche Tarifregeln, Statusmerkmale, Anschlussrisiken und Policy-Vorgaben berücksichtigt wurden. Eine schnelle Automatisierung ist nur dann ein Fortschritt, wenn sie nicht zu intransparenten Entscheidungen oder unpassenden Reisealternativen führt. Die operative Logik darf nicht allein auf Ertragsoptimierung der Airline ausgerichtet sein.
Handlungsempfehlungen
Travel Manager sollten bei Airline- und TMC-Gesprächen gezielt nach automatisierten Störungsprozessen fragen: Welche Reisen werden proaktiv umgebucht, welche Zustimmung ist erforderlich und wie werden Corporate-Profile berücksichtigt? Corporate Security sollte sicherstellen, dass automatische Umbuchungen den aktuellen Aufenthaltsort und Reisebeschränkungen berücksichtigen. Reisende brauchen weiterhin einen einfachen Weg, algorithmische Vorschläge abzulehnen und qualifizierte Unterstützung zu erreichen – insbesondere bei kritischen Kundenterminen oder Hochrisikodestinationen.
Ursprüngliche Quelle
PhocusWire, „Airlines look to agentic AI for help with efficiency“
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Eine Weiterverwendung durch Dritte ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Redaktion nicht gestattet.