Die britische Regierung erkennt den eigenständigen wirtschaftlichen Beitrag von Konferenzen, Fachmessen und Ausstellungen an, lehnt aber eine separate langfristige nationale Business-Events-Strategie ab. Darüber berichtet MICEbook am 22. September unter Bezug auf eine Regierungsantwort. Business Events sollen stattdessen in eine breitere, ressortübergreifende Major Events Strategy eingebettet werden, deren Veröffentlichung bis Frühjahr 2027 vorgesehen ist. Auch die geplante Visitor Economy Growth Strategy soll den Beitrag der Branche zu Handel, Investitionen, regionaler Beschäftigung und Innovation berücksichtigen.
Die Regierung weist zugleich die Einrichtung eines sektorgetragenen National Business Events Council zurück. Die frühere zentrale UK-weite Koordination durch VisitBritain wird laut MICEbook nicht wiederhergestellt. Das kleinere Team konzentriert sich auf England und arbeitet unter der Marke MeetEngland. Rund 20 Prozent des operativen Kernbudgets von VisitEngland für 2026/27 sind dem Bericht zufolge für Business Events vorgesehen. Städten bleibt es ausdrücklich überlassen, eigene Strategien auf Basis lokaler Stärken und Prioritäten zu entwickeln.
Für internationale Veranstalter, Unternehmen und Verbände entsteht damit kein einzelner nationaler Ansprechpartner mit einer neuen, klaren Business-Events-Agenda. Die politische Unterstützung verteilt sich auf mehrere Strategieprozesse und Ebenen. Das kann regionale Profile stärken, erhöht aber auch die Bedeutung lokaler Beziehungen, unterschiedlicher Förderlogiken und frühzeitiger Destinationsprüfung. Für eine Kongress- oder Incentive-Entscheidung reicht es daher nicht, nur Kapazität und Erreichbarkeit zu vergleichen. Auch die Frage, wer vor Ort mit welchem Mandat bei Bid, Infrastruktur, Genehmigungen oder Delegationsprogrammen unterstützt, wird wichtiger.
Der Prozess ist noch offen. Branchenorganisationen begrüßen laut MICEbook die Anerkennung und die Aussicht auf stärkere ressortübergreifende Abstimmung, sehen aber weiteren Gesprächsbedarf. Daraus sollten Unternehmen weder zusätzliche Förderung noch neue zentrale Steuerungsstrukturen ableiten. Sinnvoll ist ein differenzierter Blick auf die jeweilige Destination: lokale Partner, Eventkalender, Verkehrsanbindung, öffentliche Ansprechpartner und mögliche Unterstützungsangebote gehören in denselben Entscheidungsrahmen wie Hotelkapazität und Venue-Qualität.
Handlungsempfehlungen
- UK-Destinationen lokal bewerten: Bei Business Events nicht von einer einheitlichen nationalen Förder- oder Koordinationslogik ausgehen, sondern lokale Zuständigkeiten und Unterstützungsangebote prüfen.
- Strategieprozesse beobachten: Die angekündigte Major Events Strategy und Visitor Economy Growth Strategy als Frühindikatoren für künftige Rahmenbedingungen verfolgen.
- Bid-Risiko breit absichern: Kapazität, Verkehr, Genehmigungen, lokale Partner und öffentliche Stakeholder frühzeitig in die Standortentscheidung einbeziehen.
Quelle: MICEbook
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