Das Open Sales and Distribution Model (OSDM) tritt als europäischer Bahnticket-Standard in eine entscheidende Ausrollphase: Erste Bahngesellschaften wie die schwedische SJ nutzen ihn bereits produktiv. Travel Manager können mit der sukzessiven Verbreitung von OSDM künftig internationale Zugverbindungen nahtloser, tarifecht und inklusive Corporate-Rabatten über ein einziges OBT buchen.

Während der innerdeutsche Flugverkehr durch hohe Gebühren und Kapazitätsengpässe an Attraktivität verliert, stand die umweltfreundliche Alternative – der grenzüberschreitende europäische Bahnverkehr – bislang vor massiven technologischen Hürden. Wer eine Dienstreise von Frankfurt nach Paris, Brüssel oder Mailand organisieren wollte, stieß in den Online Booking Tools (OBTs) der Unternehmen oft an unüberwindbare Grenzen. Die fragmentierten, proprietären Buchungssysteme der nationalen Bahngesellschaften (wie DB, SNCF, ÖBB oder SBB) kommunizierten kaum miteinander. Das Ergebnis waren fehlerhafte Tarifanzeigen, der Verlust von Firmenrabatten bei Länderwechseln oder die Notwendigkeit, Tickets umständlich über die jeweiligen Endverbraucher-Websites der einzelnen Bahnen manuell zu buchen – ein Albtraum für die Datenkonsolidierung und das Expense Management.

Mit der fortschreitenden Implementierung des Open Sales and Distribution Model (OSDM) wird dieses Problem technologisch schrittweise gelöst. Der von der Internationalen Eisenbahnunion (UIC) entwickelte offene Datenstandard (Version 3.5.0, stabile Fassung April 2025) ersetzt sukzessive die veralteten Schnittstellen und ermöglicht eine systemübergreifende Echtzeit-Kommunikation zwischen den Ticket-Systemen der teilnehmenden europäischen Bahnbetreiber und den großen globalen Distributionssystemen (GDS) wie Amadeus oder Sabre. Für das Corporate Travel Management bedeutet die vollständige Umsetzung eine technologische Revolution, die den Einkauf und die Abwicklung von internationalen Bahnreisen auf das Komfortniveau der Luftfahrtbranche heben wird.

Die Auswirkungen auf den Markt und die betrieblichen Prozesse sind weitreichend. Durch OSDM sind OBTs ab sofort in der Lage, echte End-to-End-Verbindungen über Ländergrenzen hinweg inklusive aller anwendbaren Corporate-Raten (z. B. kombinierte BahnCard- und SNCF-Firmenrabatte) in einer einzigen Transaktion darzustellen und abzurechnen. Dies führt zu einer drastischen Reduzierung von sogenannten „Leakage“-Buchungen – also Buchungen, die am offiziellen Firmenkanal vorbeigehen. Zudem verbessert sich das Reisenden-Tracking im Rahmen der Fürsorgepflicht erheblich, da internationale Bahntickets nun lückenlos im zentralen Passenger Name Record (PNR) der TMC erfasst werden. Langfristig wird OSDM den strategischen Einkauf beflügeln, da Unternehmen nun echte, multinationale Rahmenverträge mit Allianzverbünden der europäischen Bahnen verhandeln können, was die Reisekosten im europäischen Korridor spürbar senken dürfte.

Implikationen für die Praxis

Travel Manager sollten ihre OBT-Anbieter und TMCs im Rahmen des nächsten System-Audits direkt nach der vollständigen Implementierung und Aktivierung der OSDM-Schnittstellen fragen. Die internen Reiserichtlinien sollten angepasst werden, um grenzüberschreitende Bahnverbindungen bis zu einer Reisezeit von sechs Stunden als primäres Verkehrsmittel vor dem Kurzstreckenflug verbindlich festzulegen.

Primärquelle: Internationaler Eisenbahnverband (UIC) – Offizielle technische Spezifikationen und Implementierungs-Roadmap des OSDM-Standards
Primärquelle: Europäische Eisenbahnagentur (ERA) – Verordnung über die Interoperabilität des europäischen Schienenverkehrs
Sekundärquelle: BTN (Business Travel News) Europe / PhocusWire – Branchenanalyse zur Integration von Bahndaten in globale GDS-Strukturen.

© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.