Die Einführung des neuen europäischen Entry/Exit Systems (EES) zur automatisierten Grenzkontrolle entwickelt sich zu einer ernsthaften Belastungsprobe für internationale Geschäftsreisende. Das System, das seit April 2026 an den Außengrenzen des Schengen-Raums operativ ist, sollte durch die Digitalisierung von Ein- und Ausreisedaten eigentlich für effizientere Abläufe sorgen. Doch die aktuelle Realität an den Flughäfen sieht anders aus.

Anstatt den Grenzübertritt zu beschleunigen, klagen Reisende und Industrieverbände über massive Verzögerungen. Eine aktuelle Studie des World Travel & Tourism Council (WTTC) zeichnet ein alarmierendes Bild: Sollten sich Wartezeiten von drei bis vier Stunden an den Grenzen etablieren, würde rund ein Drittel der internationalen Reisenden aus Schlüsseln märkten wie den USA, Kanada, Großbritannien und Australien künftige Reisen nach Europa überdenken oder ganz absagen. Für die europäische Wirtschaft und insbesondere die MICE-Branche steht viel auf dem Spiel – das WTTC warnt vor einem potenziellen Verlust von bis zu 41 Millionen Ankünften und Einnahmen in Höhe von 45,4 Milliarden US-Dollar.

Das EES ersetzt die traditionellen Passstempel durch eine digitale Datenbank, die biometrische Daten wie Gesichtsscans und Fingerabdrücke von Nicht-EU-Bürgern erfasst. Die Registrierung dieser Daten an Selbstbedienungskiosken ist bei der ersten Einreise obligatorisch. Problematisch ist jedoch die mangelnde Aufklärung: Laut WTTC-Umfrage haben 55 Prozent der Reisenden noch nie vom EES gehört, und 49 Prozent wissen nicht, was an der Grenze von ihnen verlangt wird. Dies führt zu Verwirrung und Staus an den Kontrollpunkten.

Auch die International Air Transport Association (IATA) schlägt Alarm. Rafael Schvartzman, Regional Vice President für Europa, bezeichnete die teils mehrstündigen Wartezeiten als inakzeptabel. Vor der Einführung des EES dauerte eine Passkontrolle durchschnittlich 20 bis 25 Sekunden. Selbst bei reibungslosem Ablauf beansprucht der neue Prozess nun 90 Sekunden. Die uneinheitliche Umsetzung durch die einzelnen Mitgliedsstaaten sowie technische Ausfälle der E-Gates und Kioske verschärfen die Situation zusätzlich.

Für Travel Manager und Corporate Security bedeutet dies akuten Handlungsbedarf. Geschäftsreisende aus Nicht-EU-Staaten müssen dringend über die neuen Anforderungen informiert werden. Die Empfehlung der Fluggesellschaften lautet derzeit, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Besondere Vorsicht ist bei knappen Umsteigeverbindungen über große europäische Drehkreuze geboten, da die unvorhersehbaren Wartezeiten an den biometrischen Kontrollpunkten ein erhebliches Risiko für verpasste Anschlussfluege darstellen.

Quelle: World Travel & Tourism Council (WTTC) / AFAR Magazine

© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.

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