Das europäische Entry/Exit-System (EES) erlebt in diesem Sommer seine erste echte Belastungsprobe – mit durchwachsener Bilanz. Seit dem vollständigen Wirkbetrieb im April 2026 ersetzt das biometrische System die manuelle Passstempelung für Drittstaatsangehörige an den Schengen-Außengrenzen. An mehreren großen Flughäfen, darunter Rom-Fiumicino, Palma de Mallorca, Teneriffa Süd und Paris-Beauvais, kam es in Spitzenzeiten zu Wartezeiten von zwei bis fünf Stunden. In Mailand-Linate verpassten über 100 Passagiere eines einzelnen Fluges ihre Verbindung, weil sie in der Passkontrolle feststeckten.

Nun haben neun Staaten – Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Malta, die Niederlande, Portugal und die Schweiz – in einem gemeinsamen Schreiben an EU-Innenkommissar Magnus Brunner gefordert, den zum 6. September 2026 auslaufenden Mechanismus zur teilweisen Aussetzung der biometrischen Erfassung zu verlängern. Dieser erlaubt es Grenzbehörden, in Ausnahmesituationen auf die Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern zu verzichten, während Ein- und Ausreisen weiterhin registriert werden. Die Minister sprechen von „erheblichen Schwierigkeiten“ in den ersten Betriebsmonaten.

Auch die Luftfahrtbranche erhöht den Druck: ACI Europe, Airlines for Europe und IATA fordern gemeinsam mehr Flexibilität, easyJet-Chef Kenton Jarvis nennt die Warteschlangen „völlig inakzeptabel“. Fraport-Greece-Chef Alexander Zinell berichtet, dass Flughäfen Pavillons aufstellen mussten, um wartende Passagiere vor der Sommerhitze zu schützen, und fordert eine grundlegende Überarbeitung mit Vorab-Registrierung vor Reiseantritt. Die EU-Kommission verweist auf integrierte Flexibilitätsmechanismen und betont zugleich Fahndungserfolge des Systems.

Für Geschäftsreisende aus der Schweiz und anderen Drittstaaten sowie für Unternehmen mit internationalen Besuchern bleibt die Lage bis auf Weiteres angespannt – insbesondere an südeuropäischen Ferienflughäfen mit hohem Interkontinentalanteil.

Handlungsempfehlungen

Travel Manager sollten Reisende mit Nicht-EU-Pässen aktiv über die EES-Registrierungspflicht informieren und für Erstregistrierungen deutlich längere Umsteige- und Ankunftspuffer einplanen. Bei kritischen Terminen an Hotspot-Flughäfen empfiehlt sich die Anreise am Vortag.

Travel Risk Manager sollten die Entwicklung rund um den 6. September beobachten, da ein Auslaufen der Ausnahmeregelung neue Engpässe erzeugen kann.

Event Manager mit internationalen Teilnehmern sollten EES-Hinweise in ihre Einladungs- und Anreiseinformationen aufnehmen.

Quelle: Travel Tomorrow

 

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