Durch die schrittweise Ausweitung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) rücken Meetings, Incentives, Conferences und Exhibitions (MICE) in den direkten Fokus der betrieblichen CO₂-Bilanzierung. Event- und Travel-Manager müssen ab sofort präzise ESG-Daten für jede Firmenveranstaltung erheben, da unvollständige Reports empfindliche Compliance-Verstöße nach sich ziehen.

Der MICE-Sektor (Meetings, Incentives, Conventions, Events) wurde in vielen Unternehmen lange Zeit als isolierter Bereich betrachtet, der primär nach Budget, Kreativität und Teilnehmerzufriedenheit gesteuert wurde. Damit ist im Zuge der fortschreitenden Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) endgültig Schluss. Da immer mehr Unternehmen direkt oder indirekt über ihre Großkunden reportpflichtig werden, müssen sämtliche Scope-3-Emissionen lückenlos erfasst werden. Geschäftsreisen und das damit eng verbundene Eventmanagement machen in dienstleistungsorientierten Unternehmen oft den größten Teil dieser Scope-3-Emissionen aus. Ein Firmenevent mit 200 international anreisenden Mitarbeitern, Hotelübernachtungen, Catering und Messebau ist ab sofort kein reiner Kostenblock mehr, sondern ein hochgradig prüfungsrelevanter ESG-Datenpunkt.

Die Herausforderung für Event Manager und Einkäufer liegt in der extremen Fragmentierung der Datenbeschaffung. Für einen CSRD-konformen Nachhaltigkeitsbericht reicht es nicht mehr aus, die gefahrenen Bahnkilometer der Teilnehmer zu schätzen. Es müssen konkrete, verifizierte Daten über den CO₂-Fußabdruck der Event-Location (Energieeffizienz, Ökostrombezug), das Abfallmanagement, die Herkunft der Lebensmittel beim Catering (Regionalität, Fleischanteil) sowie die Wiederverwendbarkeit der Materialien im Messe- und Bühnenbau vorliegen. Viele traditionelle Event-Dienstleister und lokale Hotels sind technisch und organisatorisch überhaupt noch nicht in der Lage, diese standardisierten Daten im Rahmen des sogenannten „Green Corporate Reporting“ verlässlich und auditierbar bereitzustellen.

Diese regulatorische Anforderung führt zu einer tiefgreifenden Selektion im Dienstleistermarkt. Große Kongresszentren und spezialisierte Event-Agenturen, die zertifizierte CO₂-Rechner und lückenlose Nachhaltigkeitsaudits (z. B. nach ISO 20121 für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement) anbieten können, werden zu den bevorzugten Partnern der Corporate-Kunden. Kleinere Anbieter geraten ins Hintertreffen. Strategisch führt dies dazu, dass das MICE-Management enger mit dem klassischen Travel Management verzahnt werden muss. Reine „Incentive-Reisen“ in weit entfernte Destinationen ohne nachweisbaren geschäftlichen Kernnutzen werden aufgrund ihres negativen Einflusses auf die CO₂-Bilanz des Unternehmens zunehmend restriktiv gehandhabt oder durch hybride, regionale Eventkonzepte ersetzt. Die Compliance-Abteilung wird somit zum zentralen Mitentscheider bei der Freigabe von Großveranstaltungen.

Implikationen für die Praxis

Unternehmen müssen umgehend eine standardisierte „Sustainable Event Policy“ einführen. Bei der Ausschreibung von Veranstaltungen (RFPs) sollten standardisierte Nachhaltigkeitskriterien als KO-Kriterium verankert werden. Dienstleister müssen vertraglich dazu verpflichtet werden, nach Ende der Veranstaltung einen verifizierten ESG-Datenbericht zu liefern, der direkt in die CSRD-Reporting-Software des Unternehmens eingespielt werden kann.

Primärquelle: Europäische Beratungsgruppe zur Finanzberichterstattung (EFRAG) – Europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS, Fokus Scope 3 / Geschäftsreisen & Events)
Sekundärquelle: GCB (German Convention Bureau) e.V. – Branchenreport zur Umsetzung der CSRD-Richtlinien im deutschen MICE-Markt
Sekundärquelle: Event Partner / m&a review – Fachaufsatz über ESG-Compliance und datengestützten Einkauf im strategischen Meeting-Management.

© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.