Die klassische Trennung zwischen sicheren und unsicheren Destinationen reicht für die Preisbildung in der Hotellerie nicht mehr aus. Über Jahrzehnte funktionierte der internationale Tourismus nach einer einfachen Logik: Ein Reiseziel galt entweder als sicher und attraktiv – oder eben nicht. Solange ein Markt offen war, wurden Zimmerpreise primär durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Doch diese „Go“- versus „No-Go“-Welt zerbricht zunehmend. Geopolitische Unsicherheiten, Energieengpässe, plötzliche Lieferkettenprobleme und chronischer Personalmangel sind zu permanenten Begleitern geworden und treiben die Hotelpreise strukturell nach oben. Zu diesem Schluss kommt eine fundierte aktuelle Analyse von Prof. Dr. Giuliano Bianchi der EHL Hospitality Business School.
Trotz einer Auslastung, die in vielen europäischen Metropolen wie Amsterdam, Lissabon und Wien noch nicht wieder vollständig das Vor-Pandemie-Niveau erreicht hat, liegen die Zimmerpreise deutlich darüber. Der Grund liegt in der notwendigen Anpassung der Betriebsmodelle: Hotels sind gezwungen, operative Puffer aufzubauen. Sie benötigen personelle Reserven, um kurzfristige Engpässe aufzufangen, müssen alternative Lieferanten sichern und in Backup-Systeme für die Energieversorgung investieren. Diese Kosten für Resilienz, Flexibilität und Krisenresistenz werden direkt in die Preisstruktur integriert.
Besonders im Luxus- und Premiumsegment wird operative Sicherheit zunehmend als eigenes Premiumprodukt verkauft. Wohlhabende Reisende und Geschäftsleute sind in einer instabilen Welt bereit, für Zuverlässigkeit, funktionierende Abläufe und Kontinuität höhere Preise zu zahlen. Für das Travel Management bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Die Budgetplanung muss sich auf dauerhaft höhere Übernachtungskosten einstellen, da Unsicherheit nicht mehr als temporäre Störung, sondern als fester wirtschaftlicher Faktor eingepreist wird.
Handlungsempfehlungen
Für Travel Manager:
- Passen Sie Ihre Budgetprognosen für 2026/2027 an: Kalkulieren Sie mit dauerhaft höheren Raten, insbesondere in europäischen Metropolen, und verabschieden Sie sich von der Hoffnung auf sinkende Preise durch geringere Auslastung.
- Fokussieren Sie bei Hotelverhandlungen nicht mehr nur auf die reine Zimmerrate (Room Rate), sondern verhandeln Sie verstärkt über Flexibilität (kostenlose Stornierungsbedingungen) und garantierte Verfügbarkeiten.
- Bewerten Sie Preferred-Hotel-Partner neu: Neben Preis und Lage sollte die operative Resilienz (Notfallpläne, stabile Personaldecke) des Hotels ein zentrales Auswahlkriterium werden.
Für Reisende:
- Nutzen Sie bevorzugt die vertraglich gebundenen Preferred Hotels Ihres Unternehmens, da diese im Krisenfall oft besseren Support und stabilere Leistungen bieten als spontan gebuchte Alternativen.
- Buchen Sie Reisen so früh wie möglich, um sich gegen kurzfristige Preissprünge aufgrund lokaler oder geopolitischer Ereignisse abzusichern.
- Achten Sie bei der Buchung zwingend auf flexible Stornierungsbedingungen, selbst wenn diese einen leichten Aufpreis bedeuten.
Quelle: Hotel Inside
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.