Die vergangene Woche hat erneut gezeigt, dass sich die Risikolage für Geschäftsreisende weniger in spektakulären Einzelereignissen als in der Verdichtung vieler mittelgroßer Störungen bemerkbar macht. Unbekannte Drohnen legten den Flughafen Luxemburg für eine Nacht lahm, Moskaus Flughäfen schränkten während eines Drohnenangriffs den Betrieb ein, Taifun Dujuan brachte den Großraum Tokio während der japanischen Feiertagswoche zum Stillstand, und in der Straße von Hormus starb erneut ein Seemann bei einem Angriff auf ein Handelsschiff. Gleichzeitig ist der Kerosinpreis in Europa auf den höchsten Stand aller Regionen gestiegen, und in Belgien, Frankreich und Italien bestimmen Arbeitskämpfe die kurzfristige Reiseplanung.
Den Schwerpunkt bildet der anschließende Forecast mit Einschätzungen zur Eintrittswahrscheinlichkeit und konkreten Empfehlungen, gefolgt von einem strategischen Ausblick für Deutschland und Europa.
Forecast: Kurz- bis mittelfristige Entwicklung
Hybride Bedrohungen und Drohnen im europäischen Luftraum:
Nachdem die Bundesregierung hat Russland am 1. September offiziell für den versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August verantwortlich gemacht hat, wurde die Gefährdungsstufe für hybride Angriffe von „allgemein“ auf „hoch“ angehoben und das russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September geschlossen. Seither hat sich die Lage nicht entspannt: Am 15. September schoss ein italienischer NATO-Jet über Litauen eine mutmaßlich mit Sprengstoff bestückte Drohne ab, am 17. September erklärte Polens Premier Tusk, Geheimdienstinformationen deuteten auf russische Planungen für als „versehentlich“ getarnte Drohnen- und Raketenangriffe auf NATO-Staaten hin, und am 18. September legten unidentifizierte Drohnen den Flughafen Luxemburg lahm. Für Reisende ist weniger ein direkter Angriff als die Betriebsunterbrechung relevant: Die Detektion von Drohnen ist an großen Flughäfen inzwischen verbreitet, ihre rechtssichere Abwehr jedoch nicht, sodass die Schließung der Start- und Landebahnen die Standardreaktion bleibt.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Hoch. Weitere drohnenbedingte Betriebsunterbrechungen an mindestens einem EU-Flughafen in den kommenden vier bis acht Wochen halten wir für sehr wahrscheinlich (analytische Schätzung: 75–90 Prozent); ein Angriff mit Personenschaden an einem zivilen Flughafen in Westeuropa bleibt dagegen unwahrscheinlich (unter 10 Prozent).
Empfehlung:
Bei zeitkritischen Terminen Abendankünfte an Flughäfen mit bekanntem Vorfallmuster (Nordost- und Mitteleuropa, Baltikum, Benelux, Ostdeutschland) vermeiden, Alternativflughäfen und Bahnoptionen im Voraus identifizieren und flexible Tarife bevorzugen. Travel-Manager sollten Umleitungsszenarien (etwa Luxemburg–Liège oder Leipzig–Berlin) in ihre Notfallpläne aufnehmen und Reisende über Push-Warnungen der Airlines informieren lassen.
Sabotage an Bahn- und Verkehrsinfrastruktur:
Am 11. September entgleiste bei Cléon in der Normandie ein Regionalzug von Rouen nach Caen, nachdem er auf ein rund 300 Kilogramm schweres Schienenstück geprallt war; 44 der 186 Fahrgäste wurden verletzt, einer lebensgefährlich. Die Behörden prüfen Sabotage, die Staatsanwaltschaft hält sich mit Schlussfolgerungen noch zurück. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Anschlägen auf europäische Bahnnetze, darunter die koordinierten Brand- und Kabelsabotagen in Italien zum Auftakt der Olympischen Winterspiele im Februar. Die Motive reichen von Linksextremismus über Protestgruppen bis zu staatlich gesteuerten hybriden Aktionen; eine Zuordnung ist im Einzelfall oft erst nach Wochen möglich.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Mittel. Ein weiterer relevanter Sabotagefall mit überregionalen Zugausfällen in Deutschland, Frankreich oder Italien innerhalb der nächsten drei Monate ist plausibel (Schätzung: 35–55 Prozent); Anschläge mit Verletzten bleiben die Ausnahme.
Empfehlung:
Für wichtige Termine Puffer einplanen und bei Bahnreisen eine Rückfallebene (Mietwagen, Flug, spätere Verbindung) vorhalten. Unternehmen sollten ihre Traveller-Tracking-Systeme so konfigurieren, dass Reisende auf betroffenen Korridoren schnell identifiziert und informiert werden können.
Golfregion, Straße von Hormus und Luftraum Naher Osten:
Die Meerenge ist seit dem 28. Februar faktisch geschlossen, Iran knüpft eine Öffnung an eine Reihe von Bedingungen, und die Gespräche zwischen Washington und Teheran am Rande der UN-Generalversammlung haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Die EASA hat ihr Conflict Zone Information Bulletin für die Lufträume von Bahrain, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman bis zum 30. September verlängert und die Empfehlungen an die veränderte Risikolage angepasst. Die Drehkreuze Dubai, Doha und Abu Dhabi arbeiten weitgehend, doch kurzfristige Luftraumsperrungen, GPS-Störungen und Umleitungen – wie zuletzt am 2. September – bleiben jederzeit möglich.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Hoch für eine erneute Verlängerung des EASA-Bulletins über den 30. September hinaus (Schätzung: 80–90 Prozent); mittel bis hoch für weitere kurzfristige Luftraumsperrungen mit Flugausfällen an Golf-Drehkreuzen im vierten Quartal (50–70 Prozent). Eine vollständige Normalisierung des Schiffsverkehrs bis Jahresende halten Prognosemärkte für unwahrscheinlich.
Empfehlung:
Umsteigeverbindungen über Golf-Drehkreuze nur mit großzügigen Umsteigezeiten und umbuchbaren Tickets planen, Alternativrouten über Istanbul, Zentralasien oder direkte Verbindungen prüfen. Reisende in die Region sollten sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts eintragen und die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise vor Abflug erneut prüfen.
Treibstoffkrise, Ticketpreise und Versorgung kleinerer Flughäfen:
Die Blockade der Straße von Hormus hat Europas Abhängigkeit von Kerosinimporten aus dem Nahen Osten offengelegt. Lieferungen aus Südkorea, Nigeria und den USA haben einen flächendeckenden Engpass bislang verhindert, doch die Preise liegen auf Rekordniveau, und der Dieselmarkt ist noch angespannter. Große Carrier wie Lufthansa und Ryanair sind durch Preisabsicherungen teilweise geschützt, kleinere Airlines dagegen nicht. Die Erfahrung aus Brindisi im April, als die Betankung ziviler Maschinen kurzzeitig ausgesetzt und an sechs weiteren italienischen Flughäfen rationiert wurde, zeigt, wo die Schwachstellen liegen: bei Regionalflughäfen mit wenigen Lieferanten und geringer Lagerkapazität.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Sehr hoch für weiter steigende Ticketpreise und Treibstoffzuschläge im Winterflugplan (über 85 Prozent); niedrig bis mittel für erneute physische Betankungsengpässe an einzelnen europäischen Regionalflughäfen bis Jahresende (Schätzung: 15–30 Prozent).
Empfehlung:
Reisebudgets für das vierte Quartal und 2027 mit einem Aufschlag kalkulieren, Frühbucheroptionen und Firmentarife mit Preisbindung nutzen. Bei Reisen über Regionalflughäfen, insbesondere in Südeuropa, auf Hinweise der Airlines zu Tankstopps oder Gewichtsbeschränkungen achten und Hub-Verbindungen als Alternative vorsehen.
Terrorismus und Großveranstaltungen in Deutschland und Europa:
Das Münchner Oktoberfest läuft noch bis zum 4. Oktober; Stadt und Polizei gehen von einer erhöhten abstrakten Gefährdungslage aus und setzen erstmals mehr als 50 KI-gestützte Kameras zur Erkennung gefährlicher Menschenansammlungen sowie das neue Drohnenabwehrzentrum ein. Vom 25. bis 28. September besucht Papst Leo XIV. Frankreich, mit einer Messe auf der Place de la Concorde, zu der Hunderttausende erwartet werden. Am 7. Oktober jährt sich der Hamas-Angriff auf Israel zum dritten Mal; die Bundesanwaltschaft hat im September sieben Männer angeklagt, die für den zweiten Jahrestag Anschläge in Berlin und Wien vorbereitet haben sollen. Die Gefährdung geht nach der Erfahrung der vergangenen Jahre vor allem von Einzeltätern mit einfachen Tatmitteln aus.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Niedrig für einen Anschlag bei einer konkreten Großveranstaltung (unter 10 Prozent), aber mittel für mindestens einen terroristisch oder extremistisch motivierten Gewaltakt mit Verletzten in Westeuropa innerhalb der nächsten drei Monate (Schätzung: 40–60 Prozent). Sicherheitsbedingte Sperrungen und Verkehrseinschränkungen rund um die genannten Termine sind nahezu sicher.
Empfehlung:
Rund um den 7. Oktober jüdische und israelische Einrichtungen, Demonstrationen und symbolträchtige Orte in Europas Großstädten (bspw. Berlin) meiden oder nur mit Bedacht aufsuchen. In Paris vom 25. bis 28. September und in München bis 4. Oktober deutlich mehr Zeit für Transfers einplanen, Treffpunkte abseits der Veranstaltungsflächen wählen und Reisende für Verhaltensregeln bei Gedränge sensibilisieren.
Arbeitskämpfe im europäischen Luft- und Bahnverkehr:
Der Nachtstreik der Fluglotsen in Charleroi soll bis zum 10. Oktober andauern. In Frankreich hat die Pilotengewerkschaft SNPL ihren Streikaufruf für die französischen Basen von easyJet – Paris-Orly, Paris-Charles-de-Gaulle, Lyon, Nizza, Nantes und Bordeaux – nach Presseberichten erneut verschoben, zuletzt auf den 1. und 2. Oktober. In Italien ist für den 26. September ein branchenübergreifender Generalstreik angekündigt, der auch Bahn- und Fährverkehr betreffen kann; die Angaben zu Umfang und Gültigkeit sind widersprüchlich. Für den 30. September ist zudem ein Streik bei der Flugsicherung ENAV und Techno Sky gemeldet.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Hoch für weitere streikbedingte Ausfälle in Belgien, Frankreich und Italien in den kommenden zwei Wochen (Schätzung: 80–90 Prozent); einzelne Aufrufe können kurzfristig abgesagt oder verschoben werden.
Empfehlung:
Flüge ab Charleroi in den Abend- und Nachtstunden bis 10. Oktober meiden oder auf Brüssel-Zaventem ausweichen. easyJet-Buchungen ab Frankreich für den 1. und 2. Oktober überprüfen und Umbuchungsoptionen sichern. Für Italien am 25. und 26. September sowie am 30. September die gesetzlich garantierten Zeitfenster im Bahnverkehr berücksichtigen und Verbindungen am Vortag bestätigen.
Russland–Ukraine: Luftkrieg gegen Energie und Verkehr vor dem Winter:
Russland setzt zunehmend Strahltriebwerksdrohnen ein, die schneller und höher fliegen und schwerer abzufangen sind, und greift gezielt Tankstellen, Bahnanlagen und Kommunikationsinfrastruktur an. Präsident Selenskyj bat in Washington um zusätzliche Patriot-Systeme und signalisierte Bereitschaft zu einer Waffenruhe für Energieanlagen; eine Vereinbarung gibt es nicht. Umgekehrt treffen ukrainische Angriffe regelmäßig den Luftverkehr in der Region Moskau. Für Geschäftsreisende in die Ukraine erhöht sich damit vor allem das Risiko von Stromausfällen, eingeschränkter Kommunikation und Unterbrechungen im Bahnverkehr, der wichtigsten Anreiseoption.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Sehr hoch für eine Intensivierung russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur im Herbst und Winter (über 85 Prozent); hoch für weitere wiederholte Flugunterbrechungen an Moskauer Flughäfen (über 80 Prozent).
Empfehlung:
Reisen in die Ukraine nur mit belastbarem Sicherheitskonzept, gesicherter Unterkunft mit Schutzraum, Notstromversorgung und redundanten Kommunikationsmitteln durchführen. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts und die Deckung durch Reise- und Kriegsrisikoversicherungen vorab prüfen.
Naturgefahren im Herbst: Taifune, Herbststürme und alpine Risiken:
Die Taifunsaison in Ostasien ist mit Dujuan noch nicht beendet; Japan verzeichnete damit bereits den 25. Taifun des Jahres. An Mexikos Pazifikküste wurde für den 23. bis 25. September ein tropisches System erwartet. Im Atlantik verläuft die Hurrikansaison dagegen außergewöhnlich ruhig, was Meteorologen auf ein starkes El-Niño-Ereignis zurückführen. In Deutschland galten am 24. September amtliche Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes in mehr als 100 Kreisen, an der Nordsee und auf Fehmarn mit Warnstufe Orange. In den Alpen zeigen die jüngsten Todesfälle in Südtirol, dass die Nachsaison mit Frühschnee, Nässe und kürzeren Tagen eigene Gefahren birgt.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Hoch für weitere taifunbedingte Flug- und Bahnausfälle in Japan, Taiwan, den Philippinen oder Südchina bis Ende Oktober (Schätzung: 65–80 Prozent); mittel für erste stärkere Herbststürme mit Verkehrsbehinderungen in Nord- und Westeuropa im Oktober.
Empfehlung:
Reisen nach Ostasien bis Ende Oktober mit Pufferzeiten planen und Warnungen der Japan Meteorological Agency verfolgen. Mitarbeitende auf Freizeit- oder Incentive-Programmen in den Bergen gezielt über Wetterumschwünge, Blitzschutz und Absturzgefahren informieren und keine Touren ohne ortskundige Führung auf ausgesetzten Wegen genehmigen.
Cyberrisiken für Luftfahrt, Hotellerie und Reisende:
Der Ransomware-Angriff auf das Check-in-System MUSE von Collins Aerospace, der im September 2025 unter anderem Berlin, Brüssel, Dublin und London-Heathrow in den manuellen Betrieb zwang, hat gezeigt, wie verwundbar zentrale Dienstleister der Branche sind. In den USA hat das Verkehrsministerium im September 2026 eine Regel veröffentlicht, nach der Airlines, die Cybersicherheitsauflagen erfüllen, bei Verspätungen infolge von Cyberangriffen keine Hotel- und Verpflegungsleistungen mehr gewähren müssen. Zugleich erhöhen die hybride Bedrohungslage und GPS-Störungen im Nahen Osten und im Ostseeraum den Druck auf die digitale Infrastruktur. Belastbare öffentliche Angaben zu einem großen Cybervorfall im Berichtszeitraum liegen uns nicht vor.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Mittel. Einen weiteren Cybervorfall mit spürbaren Auswirkungen auf Flughäfen, Airlines, Buchungs- oder Hotelsysteme in Europa innerhalb der nächsten sechs Monate halten wir für plausibel (Schätzung: 35–50 Prozent); die Belastung trägt zunehmend der Reisende selbst.
Empfehlung:
Bordkarten und Buchungsbestätigungen offline speichern, bei Hotelbuchungen über unerwartete Zahlungsaufforderungen per Messenger oder E-Mail misstrauisch sein und Firmengeräte auf Reisen nur mit VPN in fremden Netzen nutzen. Travel-Manager sollten prüfen, welche Kosten bei cyberbedingten Ausfällen künftig beim Unternehmen verbleiben.
Entführungsrisiko in Mali und im Sahel:
Mali beging am 22. September seinen Unabhängigkeitstag inmitten einer sich verschärfenden Sicherheitskrise. Die Al-Qaida-nahe Gruppe JNIM hat die Entführung wohlhabender Ausländer zu einem Pfeiler ihres „ökonomischen Dschihad“ gemacht, um Investoren abzuschrecken und die Militärregierung wirtschaftlich zu schwächen; Entführungsversuche wurden auch im Umland von Bamako verzeichnet. Betroffen waren zuletzt Staatsangehörige unter anderem aus China, Indien, Ägypten, den Emiraten und mehreren europäischen Ländern.
Eintrittswahrscheinlichkeit:
Hoch für weitere Entführungen ausländischer Staatsangehöriger in Mali und angrenzenden Sahelstaaten in den kommenden Monaten (über 75 Prozent).
Empfehlung:
Von Reisen nach Mali ist abzusehen; unaufschiebbare Einsätze etwa im Rohstoffsektor erfordern professionellen Schutz, Bewegungsprofile ohne Routinen, abgesicherte Unterkünfte und einen getesteten Krisenreaktionsplan einschließlich Kidnap-and-Ransom-Deckung.
Strategischer Ausblick für Deutschland und Europa
In der Gesamtschau verschiebt sich das Risikoprofil für Geschäftsreisen aus Deutschland und Europa weiter von klassischen Zielgebietsrisiken hin zu Störungen der Reiseinfrastruktur selbst. Drohnen über Flughäfen, Sabotage an Bahnstrecken, Streiks und Treibstoffengpässe treffen nicht einzelne Destinationen, sondern die Knotenpunkte, über die nahezu jede Reise läuft. Die Wahrscheinlichkeit, dass Reisende physisch zu Schaden kommen, bleibt in Europa gering; die Wahrscheinlichkeit, dass Termine platzen, Anschlüsse verloren gehen und Kosten steigen, ist dagegen hoch und wird im Winterhalbjahr eher zunehmen.
Außerhalb Europas bleiben zwei Konfliktherde prägend. Die faktische Schließung der Straße von Hormus wirkt über Kerosin- und Dieselpreise bis in jede Reisekostenabrechnung hinein und hält die Golf-Drehkreuze in einem Zustand latenter Unsicherheit. Der russisch-ukrainische Luftkrieg wiederum strahlt über hybride Aktionen immer deutlicher auf NATO-Gebiet aus. Beide Entwicklungen sind politisch getrieben und können sich kurzfristig verbessern oder verschlechtern; eine belastbare Entspannung ist nach heutigem Stand nicht absehbar.
Daraus ergeben sich vier Handlungsfelder. Erstens sollte die Resilienz der Reiseplanung Vorrang vor der reinen Kostenoptimierung erhalten: flexible Tarife, realistische Umsteigezeiten, definierte Alternativrouten und Ausweichflughäfen. Zweitens gehört die Informationslage auf den Prüfstand – Unternehmen brauchen ein Lagebild in Echtzeit, das Streiks, Luftraumsperrungen und Wetterwarnungen mit den Reisedaten ihrer Mitarbeitenden verknüpft. Drittens müssen Kosten- und Versicherungsfragen neu bewertet werden, von steigenden Treibstoffzuschlägen über Kriegs- und Terrorausschlüsse bis zu den veränderten Erstattungsregeln bei Cybervorfällen. Viertens bleibt die Sensibilisierung der Reisenden selbst zentral, vom Umgang mit Powerbanks an Bord über das Verhalten bei Gedränge auf Großveranstaltungen bis zu den unterschätzten Gefahren auf Bergtouren.
Für Deutschland kommt hinzu, dass die offizielle Anhebung der Gefährdungsstufe für hybride Angriffe kein symbolischer Akt ist, sondern eine Einschätzung der Sicherheitsbehörden, die Unternehmen in ihre Business-Continuity-Planung übernehmen sollten. Wer seine Reise- und Standortkonzepte jetzt auf Unterbrechungsszenarien ausrichtet, wird die kommenden Monate nicht ohne Störungen, aber mit deutlich geringeren Folgekosten bewältigen.
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Eine Weiterverwendung durch Dritte ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Redaktion nicht gestattet.