In dieser Woche zeigt sich das Risikobild für Geschäftsreisende ungewöhnlich breit gefächert: Neben den erwartbaren Folgen von Naturereignissen und Verkehrsunfällen prägen vor allem zwei Entwicklungen die Lage. Der Krieg zwischen den USA und Israel einerseits und Iran andererseits dauert nach Angaben von Gulf News inzwischen 215 Tage, belastet den Luftverkehr in der Golfregion weiterhin spürbar und strahlt über proiranische Netzwerke und Sabotageverdachtsfälle zunehmend nach Europa aus. Zugleich nehmen die Störungen der zivilen Infrastruktur in Deutschland und Europa zu, etwa durch Drohnensichtungen an Flughäfen, durch die winterliche Eskalation der russischen Angriffe auf die Ukraine oder durch Proteste und Streiks in mehreren Hauptstädten.

Wie immer bildet der Forecast zur kurz- bis mittelfristigen Entwicklung mit Eintrittswahrscheinlichkeiten und konkreten Empfehlungen das Herzstück des Beitrags, bevor ein strategischer Ausblick die Handlungsfelder für Unternehmen in Deutschland und Europa bündelt.

 

Iran-Krieg und Luftverkehr in der Golfregion:

Der Krieg steht nach den Angaben von Gulf News am 215. Tag; die diplomatischen Kanäle über Katar sind offen, ein Durchbruch ist aber nicht erkennbar, denn Washington hat den jüngsten iranischen Vorschlag zur Straße von Hormus verworfen. Die Ölströme durch die Meerenge liegen bei etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus. Parallel eskaliert der Konflikt im Jemen: Die Huthi beschießen saudische Städte und Exportanlagen am Roten Meer, was Tabuk, Dschidda und Yanbu einschließt. Für Geschäftsreisende bedeutet das ein anhaltend instabiles Umfeld, in dem Luftraumsperrungen, Flugstreichungen und Umleitungen jederzeit kurzfristig möglich bleiben. Der flydubai-Vorfall vom 30. September zeigt zudem, dass auch die Sicherheit an Bord in dieser Region unter besonderer Beobachtung steht, auch wenn die Hintergründe noch nicht geklärt sind.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere Flugstreichungen oder zeitweise Luftraumbeschränkungen im Golf- und Nahostraum sind in den kommenden vier Wochen sehr wahrscheinlich (rund 80 bis 90 Prozent); ein vollständiges Ende der Kampfhandlungen im selben Zeitraum ist eher unwahrscheinlich (unter 20 Prozent).

Empfehlung:

Reisen in die Golfregion und nach Israel sollten auf das unbedingt Notwendige beschränkt, mit flexiblen Tarifen und einem Ausweichroutenplan über nicht betroffene Drehkreuze gebucht und im Krisenfall über ein Reisenden-Tracking begleitet werden; die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts und der Airlines sind vor jeder Abreise zu prüfen, ebenso der Versicherungsschutz für Kriegsrisiken.

 

Proiranische Netzwerke, Sabotage und Terror in Europa:

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte bereits im April 2026 vor einer Eskalation der proiranischen Gruppierung HAYI gewarnt, die seit März Brandanschläge auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen vor allem in den Benelux-Staaten und in Großbritannien verübt hat und nach eigener Ankündigung nicht mehr bei einfachen Angriffen bleiben will. Der Fall RAF Fairford ist ein Beispiel dafür, wie schnell ein Sicherheitsvorfall politische Zuschreibungen auslöst, bevor die Ermittlungen abgeschlossen sind: Öffentlich belegt sind bislang fünf Festnahmen und die Räumung von rund 85 Haushalten. Für Reisende im Alltag ist die Gefahr, selbst Ziel zu werden, gering, das Risiko liegt vor allem in Absperrungen, Evakuierungen und Verkehrsbehinderungen im Umfeld militärischer, jüdischer, israelischer und US-amerikanischer Einrichtungen.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere Brand- oder Sabotageakte gegen entsprechende Ziele in Europa sind innerhalb von drei Monaten wahrscheinlich (rund 60 bis 75 Prozent); ein Anschlag mit Sprengstoff oder Schusswaffen mit mehreren Opfern in Europa ist weniger wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen (grob 5 bis 15 Prozent).

Empfehlung:

Unterkünfte, Veranstaltungsorte und Treffpunkte sollten nicht in unmittelbarer Nähe sensibler Einrichtungen gewählt werden; Reisende sind zu sensibilisieren, Absperrungen zu respektieren und Menschenansammlungen im Umfeld dieser Objekte zu meiden; Unternehmen mit US-, israelischen oder jüdischen Bezügen sollten ihre Standortschutzkonzepte und Alarmketten überprüfen.

 

Drohnen und die Verwundbarkeit des europäischen Luftverkehrs:

Am Abend des 23. September wurde der Flugbetrieb am Flughafen BER nach einer Drohnensichtung für rund 45 Minuten eingestellt, mehrere Maschinen wurden nach Dresden umgeleitet; die Bundespolizei fand die Drohne nicht. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung registrierte der Tower am BER in den ersten sechs Monaten 2026 bereits 28 Sichtungen, im gesamten Jahr 2025 waren es acht, in sieben Fällen kam es zu Betriebsunterbrechungen. Ob Hobbypiloten oder gezielte Störungen dahinterstehen, lässt sich im Einzelfall oft nicht klären. Für die Reiseplanung zählt die Folgewirkung: Kurzzeitige Sperrungen erzeugen Verspätungen, Umleitungen und verpasste Anschlüsse, die sich über das Netz fortpflanzen.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere kurzzeitige Sperrungen oder Unterbrechungen an mindestens einem deutschen Verkehrsflughafen durch Drohnensichtungen sind innerhalb der nächsten vier Wochen sehr wahrscheinlich (rund 75 bis 90 Prozent); mehrtägige Ausfälle sind unwahrscheinlich (unter 10 Prozent).

Empfehlung:

Bei zeitkritischen Terminen sollten Anreisen mit Pufferzeit von mindestens einem Tag oder über Direktverbindungen geplant, Umbuchungsoptionen bevorzugt und bei Anschlussflügen auf einem einzigen Ticket gebucht werden; Reiseverantwortliche sollten die Benachrichtigungswege zu betroffenen Reisenden bei Umleitungen testen.

 

Naturgefahren: Ätna, Pazifikstürme und Monsunfolgen:

Die Meldung vom 26. und 27. September ist nicht der erste Ausbruch dieses Jahres, bereits im August war der Flughafen Catania wegen Asche in der Luft geschlossen. Im östlichen Pazifik trifft eine aktive Saison, die Euronews mit einem Super-El-Niño in Verbindung bringt, auf die Küsten Mexikos: Auf Polo folgt Hurrikan Rachel, dessen Landfall derzeit nicht prognostiziert ist. In Südasien und Südostasien haben Starkregen und Überschwemmungen in Uttar Pradesh, Nepal und Bangkok erhebliche Einschränkungen verursacht; Nepal ist nach den Fluten vom August zusätzlich geschwächt.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Eine erneute Sperrung am Flughafen Catania ist innerhalb von drei Monaten wahrscheinlich (rund 50 bis 70 Prozent).

Darüber hinaus ist  mindestens ein weiterer tropischer Sturm mit Beeinträchtigung touristischer Küstenregionen im Pazifik oder in der Karibik ist in den nächsten vier Wochen wahrscheinlich (rund 60 bis 75 Prozent).
Flutbedingte Verkehrsstörungen in Süd- und Südostasien sind kurzfristig sehr wahrscheinlich (über 80 Prozent).

Empfehlung:

Für Sizilien sollten Reisen mit Rückflugfristen alternative Flughäfen (Palermo, Comiso, Trapani) und Mietwagen- oder Bahnoptionen vorab klären.
Pazifik/Karibik: In Küstenregionen mit Sturmrisiko sind Rückreisen nicht an den letzten möglichen Tag zu legen, und die lokalen Warnungen der Wetterdienste sind täglich zu verfolgen.
Süd- und Südostasien: in Überschwemmungsgebieten sind Überlandfahrten zu vermeiden.

 

Cyberrisiken für Reisende und Reiseprozesse:

Cyberangriffe sind für Geschäftsreisende doppelt relevant: als Störung der Reiseinfrastruktur und als Risiko für mitgeführte Geräte und Zugangsdaten. Die Börse Bitget meldete Ende September einen Diebstahl von 387,5 Millionen US-Dollar, den sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nordkoreanischen Hackern zuschreibt; es ist der größte Kryptodiebstahl des Jahres 2026. Der Fall steht nicht in direktem Zusammenhang mit dem Reisegeschäft, belegt aber die Professionalität staatsnaher Angreifer. Für den Luftverkehr gibt es ein Präzedenzereignis aus dem Vorjahr: Im September 2025 störte ein Angriff auf einen Dienstleister die Check-in-Systeme an mehreren europäischen Flughäfen, darunter Heathrow und Berlin.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Eine spürbare cyberbedingte Störung bei einem Flughafen, einer Airline oder einem Reisedienstleister in Europa innerhalb von drei Monaten ist möglich (rund 25 bis 40 Prozent); gezielte Phishing- und Betrugsversuche gegen Reisende im Umfeld von Umbuchungen und Krisenmeldungen sind laufend sehr wahrscheinlich.

Empfehlung:

Reisende sollten auf Reisen Mobilgeräte mit aktuellen Updates, Mehrfaktor-Authentifizierung und gegebenenfalls separaten Reisegeräten nutzen, Umbuchungsmitteilungen nur über offizielle Apps und Kanäle bestätigen und öffentliche WLAN-Netze meiden; Reisestellen sollten Offline-Kopien von Tickets, Buchungsbestätigungen und Notfallkontakten bereithalten.

 

Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Ostflanke:

Die Angriffe vom 27. bis 30. September werden in der Ukraine als Auftakt der winterlichen Kampagne gegen die Energieversorgung gewertet. Verantwortliche warnen vor Temperaturen von bis zu minus 20 Grad wie im vergangenen Winter bei zerstörter Infrastruktur. Für Reisende bleibt eine Reise in die Ukraine ein Hochrisikoeinsatz, für Polen, die Slowakei, Rumänien und die Baltischen Staaten ist das unmittelbare Risiko niedriger, doch Grenzübergänge, Transitrouten und der Luftraum bleiben sensibel.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere großflächige russische Luftangriffe mit Treffern auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine sind in den kommenden Wochen nahezu sicher (über 90 Prozent). Ein Übergreifen direkter Kampfhandlungen auf das Gebiet eines NATO-Staates ist unwahrscheinlich (unter 5 Prozent), wobei Zwischenfälle durch Drohnen oder Trümmer nicht auszuschließen sind.

Empfehlung:

Dienstreisen in die Ukraine sind nur nach individueller Risikoabwägung mit professioneller Sicherheitsbegleitung, Evakuierungsplan und Redundanzen für Strom und Kommunikation vertretbar; im grenznahen Polen, Rumänien und im Baltikum sind Routen und Übergänge tagesaktuell zu prüfen und mit Pufferzeiten zu planen.

 

Gewaltkriminalität in Hochrisikoländern:

Die beiden Massenschießereien in Südafrika, denen innerhalb weniger Tage ein Angriff in Durban vorausging, liegen im Muster einer Gewaltlage, die nach Angaben von Euronews durchschnittlich rund 60 Tötungen pro Tag umfasst und häufig von Bandenrivalität, Erpressung und informellen Geschäftskonflikten getrieben ist. Von den bislang identifizierten Opfern waren zwei Südafrikaner und zwei Staatsangehörige Lesothos. Die Tatorte, Bars und Lokale, liegen jedoch in einem Umfeld, das auch von Reisenden aufgesucht wird. Für Geschäftsreisende steigt das Risiko vor allem in der Nacht, in Gaststätten und Restaurants und bei Fahrten in die Randgebieten.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere Schießereien mit mehreren Toten in Südafrika sind in den nächsten Wochen sehr wahrscheinlich (rund 70 bis 85 Prozent). Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ausländische Geschäftsreisende betroffen sind, ist für den einzelnen Reisenden gering, bei fehlenden Vorsichtsmaßnahmen jedoch nicht zu vernachlässigen.

Empfehlung:

Für Südafrika empfehlen sich gepanzerte oder zumindest professionell geführte Transfers, der Verzicht auf nächtliche Besuche in Lokalen und Randgebieten, die Wahl von Unterkünften mit kontrolliertem Zugang sowie ein klar kommunizierter Notfallplan. Die Lagehinweise des Auswärtigen Amts sind vor Abreise zu berücksichtigen.

 

Proteste, Streiks und Unfälle im europäischen Reiseverkehr:

In Spanien und Frankreich verdichten sich Proteste zu Wohnungsnot, Migration und Mittelausstattung öffentlicher Dienste: Madrid erlebte Massendemonstrationen und ein Zeltlager im Zentrum, in Frankreich kam es zu Schulblockaden. Solche Lagen verursachen selten Gefahr für Reisende, führen aber zu Sperrungen und Verkehrsbehinderungen. Hinzu kommen Unfallrisiken im touristischen Straßenverkehr: Der Busunfall bei Buchloe ereignete sich wenige Wochen nach dem Unfall eines niederländischen Reisebusses in der Ostschweiz mit fünf Toten.

Eintrittswahrscheinlichkeit:

Weitere Demonstrationen mit Verkehrsbehinderungen in Madrid, Paris oder anderen europäischen Hauptstädten sind im Oktober sehr wahrscheinlich (über 80 Prozent).

Empfehlung:

Reiseplanungen in Frankreich und Spanien sollten kurzfristige Streik- und Demonstrationshinweise der lokalen Behörden und Verkehrsbetriebe einbeziehen und Innenstadttermine mit Pufferzeiten versehen. Bei Gruppen- und Eventreisen sind Busunternehmen mit nachweisbaren Lenk- und Ruhezeitennachweisen zu bevorzugen.

 

Strategischer Ausblick für Deutschland und Europa

Die Lage der vergangenen Woche lässt sich in einer Beobachtung bündeln: Die größten Störungen für Reisende gehen derzeit weniger von spektakulären Einzelanschlägen aus als von kumulierenden Systemrisiken. Der Iran-Krieg und der Jemen-Konflikt beeinträchtigen den Luftverkehr zwischen Europa und Asien dauerhaft, Drohnensichtungen und Naturereignisse legen einzelne Knotenpunkte kurzzeitig lahm, Proteste und Streiks verteuern und verlangsamen die Mobilität in Innenstädten. Für Deutschland und Europa kommt hinzu, dass sich die Bedrohung durch Sabotage, hybride Aktivitäten und proiranische Netzwerke nach dem Befund der Sicherheitsbehörden auf Alltagsobjekte, Infrastruktur und Einrichtungen mit Symbolcharakter verlagert. Die Beweislage in Einzelfällen wie RAF Fairford ist dabei bislang dünn; belastbare Analysen sollten daher zwischen bestätigten Fakten, laufenden Ermittlungen und politischen Zuschreibungen unterscheiden.

Unsere zusammenfassende Einschätzung lautet, dass das Risiko für Geschäftsreisende in den kommenden Monaten eher durch Reduzierung der Planbarkeit, Verspätung und Umleitung als durch unmittelbare Gewalteinwirkung bestimmt wird, mit wenigen, aber folgenschweren Ausnahmen in Konfliktregionen wie der Golfregion, dem Jemen, der Ukraine, Pakistan und Myanmar sowie in Ländern mit struktureller Gewaltkriminalität wie Südafrika. Eine Eskalation im Golf, ein größerer Anschlag in Europa oder ein schwerer Cybervorfall würden das Bild rasch verändern. Einschränkend muss allerdings bemerkt werden, dass viele der beschriebenen Ereignisse lokal begrenzt blieben und dass Flughäfen und Behörden in der Regel binnen Stunden wieder zum Normalbetrieb zurückkehren.

Daraus ergeben sich vier Handlungsfelder für Unternehmen in Deutschland und Europa.

Erstens ist die Reiseplanung auf Redundanz auszurichten: flexible Tarife, alternative Drehkreuze, Pufferzeiten und klar definierte Entscheidungsschwellen, ab denen eine Reise verschoben oder abgebrochen wird.

Zweitens sollten Duty-of-Care-Prozesse gestärkt werden, also aktuelle Reisendendaten, verlässliche Kommunikationswege in beide Richtungen, getestete Alarm- und Evakuierungsketten und eine Anbindung an einen Sicherheitsdienstleister.

Drittens ist die Informationsbasis zu professionalisieren, mit täglicher Auswertung offizieller Quellen statt der Übernahme ungeprüfter Meldungen, denn der Fall Fairford zeigt, wie schnell Behauptungen und Befunde auseinanderfallen.

Viertens sind Cyber- und Informationssicherheit auf Reisen fester Bestandteil der Reiserichtlinie zu machen. Wer diese vier Felder konsequent bearbeitet, kann auch in einer Phase erhöhter Unsicherheit geschäftsnotwendige Reisen verantwortbar durchführen.

© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Eine Weiterverwendung durch Dritte ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Redaktion nicht gestattet.

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