Zunehmende klimatische Extremwetterereignisse und geopolitische Spannungen im asiatisch-pazifischen Raum zwingen Unternehmen zu einer grundlegenden Überarbeitung ihrer Travel-Risk-Richtlinien. Nach der ISO 31030 müssen Geschäftsreisen in diese Wirtschaftsregionen ab sofort an automatisierte Vorab-Genehmigungsprozesse (Pre-Trip-Approval) gekoppelt werden.
Die Globalisierung deutscher und europäischer Unternehmen führt trotz geopolitischer Diversifizierungsstrategien zu einer anhaltend hohen Reiseaktivität in die Wachstumsmärkte Südostasiens. Allerdings hat sich das Risikoprofil dieser Regionen signifikant verändert. Zum einen führen die Auswirkungen des Klimawandels zu einer drastischen Zunahme unvorhersehbarer und heftiger Extremwetterereignisse – von plötzlichen Taifunen über großflächige urbane Sturzfluten in Metropolen wie Bangkok, Manila oder Jakarta bis hin zu extremen Hitzewellen, die die lokale Infrastruktur und Energieversorgung temporär kollabieren lassen. Zum anderen verschärfen sich die asymmetrischen Sicherheitsrisiken und cyber-politischen Spannungen im Umfeld maritimer Handelswege im Südchinesischen Meer.
Für Travel Risk Manager und Personalverantwortliche (HR) erwächst hieraus eine verschärfte Haftungs- und Fürsorgeproblematik. Nach europäischer Gesetzgebung und den Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes tragen Unternehmen die volle Verantwortung für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter während einer Auslandsentsendung oder Geschäftsreise. Der internationale Standard ISO 31030 (Travel Risk Management) definiert hierbei den aktuellen Stand der Technik. Werden Mitarbeiter ohne präzise Lageeinweisung, ohne funktionierende Notfall-Kommunikationskanäle oder in Regionen mit bekannter medizinischer Unterversorgung geschickt, riskieren Unternehmen im Schadensfall massive Schadensersatzforderungen und strafrechtliche Konsequenzen wegen Organisationsverschuldens.
Die operative Konsequenz ist die flächendeckende Implementierung von restriktiven Pre-Trip-Approval-Systemen innerhalb der Buchungssoftware. Eine Reise in bestimmte Risikogebiete Südostasiens darf nicht mehr ohne manuelle oder regelbasierte Freigabe durch das Security- oder Travel-Risk-Management direkt gebucht werden können. Zudem müssen Unternehmen sicherstellen, dass die Reisenden an ein aktives Tracking-System (Geofencing) angebunden sind, welches im Krisenfall eine Echtzeit-Lokalisierung und bidirektionale Notfall-Kommunikation per App oder Satellit ermöglicht. Auch die medizinische Vorsorge – einschließlich der vertraglichen Absicherung von Evakuierungsflügen durch spezialisierte Assistance-Dienstleister – wird vom optionalen Benefit zur zwingenden Compliance-Voraussetzung für jede Reisefreigabe.
Implikationen für die Praxis
Unternehmen sollten ihre Reiserichtlinien strikt an den Vorgaben der ISO 31030 ausrichten. Reisen in Schwellenländer müssen zwingend an ein automatisiertes Destination-Intelligence-System gekoppelt werden, das dem Reisenden vor Ticketausstellung ein verifiziertes Länderbriefing übermittelt und den Nachweis einer lückenlosen Auslands-Krankenversicherung inklusive Evakuierungsgarantie erfordert.
Primärquelle: Internationale Organisation für Normung – ISO 31030:2021 (Travel risk management — Guidance for organizations)
Primärquelle: Auswärtiges Amt (Deutschland) – Aktualisierte Reise- und Sicherheitshinweise für den asiatisch-pazifischen Raum
Sekundärquelle: International SOS / International Travel Insurance Journal (ITIJ) – Global Risk Outlook und medizinische Evakuierungsstatistiken.
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.