Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt das Travel Management schneller als von vielen Experten prognostiziert. Laut einer aktuellen Umfrage des Reisesicherheits- und Krisenmanagement-Dienstleisters Global Rescue ist die Nutzung von KI-Tools zur Planung internationaler Reisen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 drastisch gestiegen. Unter erfahrenen internationalen Reisenden stieg der Anteil derjenigen, die generative KI (wie ChatGPT oder branchenspezifische Tools) für die Reisevorbereitung nutzen, von 22 Prozent im Januar auf 36 Prozent im Juli – ein Zuwachs von 64 Prozent.
Die Daten zeigen einen klaren Paradigmenwechsel im Nutzerverhalten. Während KI anfangs primär für simple Inspirationsfragen genutzt wurde, setzen Reisende die Technologie nun zunehmend für komplexe, geschäftsrelevante Aufgaben ein: von der Optimierung von Reiserouten über die Übersetzung von Dokumenten bis hin zur Erstellung lokaler Sicherheitsprofile und der Suche nach medizinischen Einrichtungen vor Ort. Diese Entwicklung stellt traditionelle Travel Management Companies (TMCs) und interne Reiseabteilungen vor neue Herausforderungen, da Reisende beginnen, die etablierten, oft als starr empfundenen Buchungswege zu umgehen und sich eigene „Schatten-Reisepläne“ mittels KI zu erstellen.
Gleichzeitig warnt Global Rescue vor den Risiken dieser Entwicklung. Generative KI neigt weiterhin zu Halluzinationen – also der Erfindung plausibel klingender, aber faktisch falscher Informationen. Verlässt sich ein Geschäftsreisender bei der Beurteilung der Sicherheitslage in einem Hochrisikoland oder bei der Suche nach einem zugelassenen Krankenhaus ausschließlich auf ein KI-Tool, kann dies lebensgefährliche Konsequenzen haben und die Fürsorgepflicht (Duty of Care) des Arbeitgebers massiv verletzen.
Handlungsempfehlungen
Travel Manager müssen den Einsatz von KI in der Reiseplanung proaktiv steuern, statt ihn zu ignorieren. Die Reiserichtlinie sollte klare Vorgaben enthalten, für welche Zwecke KI genutzt werden darf (z.B. Routenplanung, Restaurant-Tipps) und für welche nicht (z.B. medizinische Notfallkontakte, Visa-Bestimmungen, Sicherheitsbewertungen).
Unternehmen sollten in zertifizierte, geschlossene KI-Systeme investieren, die auf verifizierten Unternehmensdaten basieren (Enterprise AI), um die Nutzung öffentlicher Tools zu minimieren. Compliance-Verantwortliche müssen Mitarbeiter für die Risiken von Datenlecks sensibilisieren, wenn vertrauliche Reisedaten in offene KI-Modelle eingegeben werden.
Quelle Global Rescue
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Eine Weiterverwendung durch Dritte ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Redaktion nicht gestattet.