Nachhaltiges Fliegen bleibt für Unternehmen, die ihre Scope-3-Emissionen im Rahmen von ESG-Zielen reduzieren wollen, eine enorme Herausforderung. Sustainable Aviation Fuel (SAF) gilt als der wichtigste Hebel zur Dekarbonisierung der Luftfahrt, da es die CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin um bis zu 80 Prozent senken kann. Doch aktuelle Zahlen der International Air Transport Association (IATA) aus dem Juni 2026 zeichnen ein ernüchterndes Bild der globalen Verfügbarkeit.
Laut IATA wird die weltweite SAF-Produktion im Jahr 2026 voraussichtlich nur 2,4 Millionen Tonnen erreichen. Das entspricht lediglich 0,8 Prozent des gesamten Kerosinbedarfs der Luftfahrt. Willie Walsh, Generaldirektor der IATA, bezeichnete dies als ein weiteres enttäuschendes Jahr für die SAF-Produktion. Der Weg, bis 2050 die anvisierten 65 Prozent des Bedarfs durch SAF zu decken, werde zunehmend schwieriger. Die IATA kritisiert ineffektive politische Rahmenbedingungen und mangelndes Engagement der Ölkonzerne.
Noch dramatischer sieht es bei den sogenannten e-SAFs aus, die synthetisch aus erneuerbarem Strom, grünem Wasserstoff und CO2 hergestellt werden. Obwohl die EU und Großbritannien Quoten von 0,6 Millionen Tonnen bis 2030 vorschreiben, liegt die aktuelle globale Produktionskapazität bei verschwindend geringen 0,02 Millionen Tonnen. Die IATA bezeichnet diese Quoten als völlig realitätsfern und warnt vor massiven Preissteigerungen, wenn Mandate ohne ausreichende Produktionskapazitäten durchgesetzt werden.
Trotz dieser strukturellen Defizite setzen einzelne Unternehmen starke Signale. Ein wegweisendes Beispiel ist der im Juni 2026 geschlossene Deal zwischen American Airlines und Google. Die Vereinbarung umfasst den Kauf von SAF-Zertifikaten (SAFc) für 35 Millionen Gallonen (ca. 132 Millionen Liter) über drei Jahre – der bislang größte öffentlich bekannte SAF-Vertrag zwischen einer Airline und einem einzelnen Firmenkunden.
Google nutzt die Umweltzertifikate dieses Book-and-Claim-Systems, um die Emissionen der eigenen Geschäftsreisen auszugleichen. Für das Travel Management bedeutet dies: Der Zugang zu SAF bleibt knapp und teuer. Unternehmen, die ihre Geschäftsreise-Emissionen ernsthaft senken wollen, müssen aktiv in langfristige SAF-Partnerschaften investieren oder auf Book-and-Claim-Systeme zurückgreifen, da der freie Markt die benötigten Mengen auf absehbare Zeit nicht liefern wird.
Quelle: IATA Pressroom / American Airlines Newsroom
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