Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel, dem Iran und diversen Proxys, haben die Luftfahrtindustrie der Region in eine schwere Krise gestürzt. Wie die International Air Transport Association (IATA) prognostiziert, wird sich der für 2026 erwartete Nettogewinn der Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten in Höhe von 7,2 Milliarden US-Dollar in einen Nettoverlust von 4,3 Milliarden US-Dollar verwandeln. Dies markiert eine der dramatischsten finanziellen Kehrtwenden in der jüngeren Geschichte der zivilen Luftfahrt.
Die Ursachen sind vielschichtig. Seit den ersten direkten iranischen Angriffen auf Israel und den darauffolgenden Gegenschlägen im Februar 2026 mussten Lufträume (u.a. Iran, Irak, zeitweise auch Jordanien und Libanon) wiederholt gesperrt werden. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) rät weiterhin von Überflügen bestimmter Regionen ab. Dies zwingt Airlines zu weiten Umwegen, was den Treibstoffverbrauch massiv erhöht – und das in einer Phase, in der die Kerosinpreise laut IATA im Jahresdurchschnitt 2026 um 70 Prozent über dem Niveau von 2025 liegen werden.
Das eigentliche Problem für die großen Golf-Carrier (Emirates, Qatar Airways, Etihad) ist jedoch die Erosion ihres Geschäftsmodells. Das „Hub-and-Spoke“-System, das Passagiere zwischen Europa und Asien über die Drehkreuze in Dubai, Doha oder Abu Dhabi leitet, funktioniert nur bei maximaler Effizienz und Sicherheit. Die Passagiernachfrage im Nahen Osten fiel im Juni um fast 14 Prozent, während der Direktverkehr zwischen Europa und Asien um 11 Prozent zunahm. Viele europäische und asiatische Airlines haben ihre Flüge in die Region bis weit in den Herbst oder sogar bis 2027 (Air Canada) ausgesetzt, was die Auswahl für Geschäftsreisende drastisch einschränkt und die Preise für die verbleibenden Verbindungen in die Höhe treibt.
Handlungsempfehlungen
Travel Manager müssen die Reiserichtlinien für Verbindungen nach Asien und Australien anpassen: Direktflüge oder Umsteigeverbindungen über asiatische Drehkreuze (z.B. Singapur, Tokio) sollten priorisiert werden, um das Risiko von Strandungen im Nahen Osten bei plötzlichen Luftraumsperrungen zu vermeiden. Für zwingend notwendige Reisen in die Golfstaaten müssen deutlich höhere Budgets eingeplant werden, da die verbliebenen Airlines ihre gestiegenen Kerosin- und Versicherungskosten (Risikoprämien) auf die Ticketpreise umlegen. Travel Risk Manager müssen Echtzeit-Tracking für alle Reisenden in der MENA-Region sicherstellen.
Quelle
© Jörg Nubert & Wolfgang Koestner GbR, ›Geschäftsreise News‹, Foto: Pixabay/Ki-generiert/eigene Bilder. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Eine Weiterverwendung durch Dritte ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Redaktion nicht gestattet.