Die Reisebranche beweist im Jahr 2026 eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, sieht sich jedoch mit grundlegend veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert. Eine aktuelle Studie von Barclays Corporate Banking („Travel in 2026: A resilient industry with rewritten assumptions“) beleuchtet die komplexen Dynamiken, die das Konsumverhalten und die strategische Ausrichtung von Reiseunternehmen prägen.
Nach einem Rekordjahr 2024 und einem stabilen 2025 mit einem Ausgabenwachstum von 2,4 Prozent bei britischen Konsumenten, markiert der März 2026 einen Wendepunkt.
Erstmals seit der Aufhebung der COVID-19-Reisebeschränkungen im März 2021 verzeichnete Barclays einen Rückgang der Reiseausgaben um 3,3 Prozent. Dieser Einbruch wird maßgeblich auf die anhaltenden geopolitischen Spannungen, insbesondere den Konflikt im Nahen Osten, zurückgeführt. Reisebüros meldeten einen Umsatzrückgang von 4,6 Prozent, Fluggesellschaften von 4,1 Prozent. Dennoch betonen die Analysten, dass die Nachfrage nicht verschwindet, sondern sich lediglich verlagert.
Anstatt Reisen abzusagen, buchen Konsumenten um. Ziele in Westeuropa, allen voran Spanien, verzeichnen einen massiven Anstieg der Flugbuchungen um 32 Prozent im Jahresvergleich. Auch Portugal profitiert mit einem Plus von 21 Prozent. Gleichzeitig wächst das Interesse an flugfreien Alternativen und „Staycations“, was sich in einem leichten Anstieg der Ausgaben für Hotels und Unterkünfte (+1,2 Prozent) widerspiegelt.
Die Studie unterstreicht, dass Urlaub für viele Konsumenten mittlerweile eine nicht verhandelbare Ausgabe darstellt. Nur 28 Prozent der Befragten wären bereit, ihre Urlaubspläne zu kürzen, um alltägliche Lebenshaltungskosten zu decken. Stattdessen wird eher bei Restaurantbesuchen, Kleidung oder Take-aways gespart. Bemerkenswert ist zudem, dass 20 Prozent der Konsumenten planen, 2026 mehr zu reisen als im Vorjahr.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber sind ältere Reisende. Die Ausgaben der über 65-Jährigen stiegen 2025 um 6,8 Prozent – das stärkste Wachstum aller Altersgruppen. Diese Zielgruppe zeigt nicht nur die höchste Bereitschaft für Auslandsreisen, sondern investiert auch zunehmend in längere und abenteuerlichere Trips. Parallel dazu etabliert sich die Kreuzfahrtbranche endgültig im Mainstream: Mit 36,4 Millionen Passagieren weltweit im Jahr 2024 und einem wachsenden Anteil jüngerer Reisender (36 Prozent unter 40 Jahren) prognostiziert die Branche bis 2028 einen Anstieg auf 42 Millionen Passagiere.
Technologisch treibt Künstliche Intelligenz (KI) die Branche voran. Die Nutzung von KI-Tools zur Reiseinspiration hat sich auf 8 Prozent verdoppelt (bei den 18- bis 24-Jährigen sogar 15 Prozent). Dennoch bleibt der menschliche Faktor entscheidend: 34 Prozent der Reisenden buchten 2025 weiterhin über einen Reiseprofi. Für 2026 erwartet Barclays ein Jahr der Konsolidierung, Anpassungsfähigkeit und des aktiven Risikomanagements, in dem Unternehmen ihre Strategien an die neuen geopolitischen und wirtschaftlichen Realitäten anpassen müssen.
Quelle: Barclays Corporate Banking