Kurzfristig zum Kunden, zur Inbetriebnahme oder in ein Projektteam: Solche Einsätze werden im Reiseprozess oft als organisatorische Routine behandelt. In Vietnam kann diese Annahme seit dem 10. September 2026 teuer werden. Das neue Decree 283/2026/ND-CP verschärft laut Crown World Mobility den arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Rahmen für ausländische Beschäftigte und knüpft ihn enger an das bereits geltende Regime für die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte.
Fakt ist: Für bestimmte Einsätze von weniger als 90 Tagen besteht eine Meldepflicht bei der zuständigen Arbeitsbehörde. Die Meldung muss mindestens drei Arbeitstage vor Beginn der Tätigkeit erfolgen. Das Dekret sieht zudem Sanktionen für Verstöße gegen Anforderungen zu Arbeitserlaubnissen, Befreiungsnachweisen, Einsatzorten und Rückgabe von Genehmigungen vor. Fehlende oder verspätete Mitteilungen machen eine Tätigkeit laut Quelle nicht automatisch unzulässig, sofern eine Befreiung grundsätzlich greift. Sie können aber dennoch zu eigenständigen Verwaltungsstrafen führen.
Einordnung: Der kritische Punkt liegt im Übergang von der Reise zur Arbeitsaufnahme. Kalender, Buchungstool und Reisekostenprozess erkennen zwar Flug, Hotel und Kundentermin. Sie erkennen aber nicht zuverlässig, ob jemand vor Ort eine technische Leistung erbringt, eine Anlage abnimmt, eine Schulung gibt oder eine operative Rolle übernimmt. Genau dort entsteht die bekannte Grauzone, in der die Reise noch „kurz“ wirkt, der Einsatz aber bereits arbeitsrechtlich relevant ist. Drei Werktage sind dabei keine große Frist – jedenfalls nicht, wenn sie erst nach der Flugbuchung auffallen.
Für DACH-Unternehmen mit Projekt-, Service-, Vertriebs- oder Produktionsbezug zu Vietnam ist deshalb ein verbindlicher Assignment-Check vor der Buchung sinnvoll. Er sollte Reisezweck, Tätigkeitsprofil, Dauer, Einsatzort und lokale Auftraggeberrolle erfassen. Travel Management liefert die Reiseinformation, HR und Global Mobility prüfen die arbeitsrechtliche Einordnung, die Fachabteilung bestätigt die tatsächliche Tätigkeit. So wird aus einer formalen Vorabmeldung ein belastbarer Kontrollpunkt für Compliance und Planbarkeit – und nicht die nächste Überraschung im Abflugbereich.
Handlungsempfehlungen
- Reise und Tätigkeit trennen: Im Buchungs- oder Freigabeprozess zwingend erfassen, ob vor Ort gearbeitet, geschult, installiert, auditiert oder technisch unterstützt wird.
- Drei-Werktage-Workflow festlegen: Für relevante Vietnam-Einsätze eine Fristenlogik mit lokalem Verantwortlichen, Vertretung und dokumentierter Meldebestätigung einrichten.
- Kurzfristige Projekte absichern: Bei Einsätzen unter 90 Tagen vor Buchung den Status von Arbeitserlaubnis, Befreiung und lokalen Meldepflichten prüfen lassen.
Quelle: Crown World Mobility
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