Die Zahl der Geschäftsreisen steigt wieder, doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend gewandelt. Travel Manager wandeln sich zunehmend von reinen Einkäufern zu strategischen Mobilitäts- und Sicherheitsberatern. Künstliche Intelligenz übernimmt dabei die Standardprozesse.

Der Geschäftsreisemarkt in Deutschland zeigt sich robust: Laut aktuellen Zahlen des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) stieg das Volumen im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 116 Millionen Reisen. Besonders der Mittelstand erweist sich als treibende Kraft. „Drei Viertel aller Geschäftsreisen wurden im vergangenen Jahr durch Vertreter mittelständischer Unternehmen unternommen“, erklärt VDR-Geschäftsführer Jens Schließmann. Der Grund: Die Suche nach neuen Märkten und stabilen Geschäftsbeziehungen erfordert persönliche Präsenz vor Ort.

Trotz des Wachstums bei den absoluten Zahlen sind die durchschnittlichen Kosten pro Reise auf 418 Euro gesunken. Dies ist jedoch kein Indiz für fallende Preise, sondern das Resultat einer deutlich effizienteren Steuerung. Unternehmen bündeln Termine stärker, kombinieren mehrere Meetings auf einer Reise und weichen auf innerdeutschen und europäischen Strecken zunehmend vom Flugzeug auf die Bahn aus.

Gleichzeitig verschieben sich die globalen Reiseströme. Europa gewinnt als Geschäftsreiseziel strukturell an Bedeutung, während Fernreisen selektiver eingesetzt werden. Komplexe Regulierungen in Asien, volatile Zollpolitiken in den USA und geopolitische Spannungen veranlassen insbesondere mittelständische Unternehmen dazu, ihre Aktivitäten stärker auf den verlässlicheren europäischen Binnenmarkt zu konzentrieren.

Diese Entwicklungen verändern das Berufsbild des Travel Managers grundlegend. Standen früher operative Aufgaben und Preisverhandlungen im Fokus, ist heute strategische Weitsicht gefragt. Travel Manager entwickeln sich zu ganzheitlichen Mobilitätsmanagern. Neben der reinen Buchung rücken Compliance, Fürsorgepflicht (Duty of Care), Sicherheitsmanagement und datenbasierte Steuerung in den Mittelpunkt. Auch angrenzende Bereiche wie MICE sowie das Flottenmanagement fallen zunehmend in ihren Verantwortungsbereich.

Unterstützung bei dieser Transformation bietet die Technologie. Künstliche Intelligenz (KI) etabliert sich als wertvoller „Copilot“ im Travel Management. Ihr größtes Potenzial liegt derzeit in der Automatisierung von Standardprozessen: bei der Spesenabrechnung, der Überwachung von Reiserichtlinien und dem Datenmanagement. Komplexe strategische Entscheidungen und die Kommunikation mit den Reisenden bleiben jedoch fest in menschlicher Hand.

Quelle: Reise vor9

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