Die Höhe des Trinkgelds, die Regeln und die Etikette bei Reisen rund um den Globus können sehr unterschiedlich sein. Ein Leitfaden von Condé Nast Traveler gibt Empfehlungen für Trinkgelder in wichtigen Großstädten von Paris bis Sydney.

Zu wissen, wann und wieviel Trinkgeld man geben sollte, gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, mit denen sich jeder international Reisende konfrontiert sieht. Ein zu geringes Trinkgeld kann beleidigend sein, ein zu hohes Trinkgeld kann dazu führen, dass einem unterwegs das Geld ausgeht. Über die richtige Höhe des Trinkgelds zu entscheiden, ist keine leichte Aufgabe, wenn man in belebten Restaurants vor den Augen eines wartenden Kellners den Druck von Sprachbarrieren und des Währungsumrechnens vor Augen hat. Hier Tipps für einige ausgewählte Business-Destinationen:

London

Anders als in den meisten Städten der Welt wird in London Trinkgeld weder erwartet noch ist es notwendig. Allgemein werden jedoch zwischen 10 und 15 Prozent der Rechnung empfohlen, vor allem wenn in Restaurant mit vollem Service. Wichtig ist, die Quittung genau zu prüfen – einige Lokale rechnen automatisch eine Standard-Servicegebühr von 12,5 Prozent in die Rechnung hinein, während andere einen Hinweis darauf geben, dass der Service nicht enthalten ist. In Kneipen, Bars oder weniger formellen Restaurants wird Trinkgeld nicht in gleicher Weise erwartet, ist aber empfehlenswert. Wenn es keine Möglichkeit gibt, bei Kartenzahlung ein Trinkgeld zu geben, gibt es in der Regel ein Trinkgeldglas, in das Sie etwas Kleingeld werfen können.

Madrid

In der Vergangenheit wurde Trinkgeld vom Personal im Gastgewerbe in Madrid nicht erwartet. Diese Kultur scheint sich jedoch zu ändern. „Es wird immer üblicher, Trinkgeld zu geben, wenn der Service hervorragend ist oder das Team besonders nett zum Kunden war,“ sagt ein Experte. Der spanische Gast kann sehr anspruchsvoll sein, wenn es um das Essen geht, daher wird es geschätzt,  Kellner für ihren freundlichen Service zu belohnen. Das Bedienungsgeld wird nur selten auf der Rechnung ausgewiesen, daher ist es in den meisten Restaurants mit Tischbedienung üblich, zwischen 5 und 10 Prozent der Gesamtrechnung zu geben. Man sollte aber darauf achten, dass es nicht bereits aufgeschlagen wurde. In Bars und zwanglosen Tapas-Lokalen ist Trinkgeld nicht notwendig, aber es ist immer nett, aufzurunden.

New York City

NewYorker sind es gewohnt, Trinkgeld zu geben. Für die zumeist überarbeiteten und unter bezahlten Mitarbeiter im Gastgewerbe ist es ein wichtiger Teil ihres Einkommens. Die Unternehmen nutzen Trinkgelder oft als garantierte Möglichkeit, die Gehälter der Mitarbeiter zu subventionieren, was bedeutet, dass viele auf anständige Trinkgelder angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Faustregel gilt ein Anteil von 20 bis 25 Prozent der Rechnung, in den meisten Restaurants gilt alles unter 20 Prozent als geizig. In Bars wird empfohlen, je nach Preis ein bis zwei Dollar pro Getränk zu geben. Bei Hoteldienstleistern, Portiers, Concierge- oder Housekeeping-Diensten kommt es auf den jeweiligen Service an. Im Allgemeinen sind ein paar Dollar nie verkehrt. Obwohl die Verwendung von Bargeld in den Großstädten immer seltener wird, ist es hilfreich, kleine Geldscheine bei sich zu haben. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Kosten zu ermitteln, sehen Sie sich die Mehrwertsteuer auf Ihrer Rechnung an – in New York beträgt sie 8,8 Prozent und wird in der Regel auf der Rechnung ausgewiesen. Also verdoppeln Sie den Betrag und runden Sie auf, um ein angemessenes Trinkgeld zu geben.

Peking

Trinkgeld ist in China kein wichtiger Bestandteil der Kultur. In den meisten Teilen des Landes wird Trinkgeld als unhöflich angesehen, da das Personal erwartet, dass der angemessene Preis für den Service vom Arbeitgeber und nicht vom Kunden bestimmt wird. Aber da China ein großes Land ist, können die Regeln variieren – vor allem in den größeren Städten, die an Touristen gewöhnt sind. Sogar innerhalb Pekings sind die Gepflogenheiten unterschiedlich, so dass Trinkgelder von Fall zu Fall entschieden werden müssen. Wenn Sie es für angemessen halten, Trinkgeld zu geben, sollten Sie es unauffällig und außer Sichtweite anderer Gäste tun. In gehobenen Restaurants und Hotels sollten Sie die Rechnung überprüfen, ob bereits eine Servicegebühr von 10 bis 15 Prozent aufgeschlagen wurde.

Tokio

Tokio hat eine völlig andere Trinkgeldkultur als die meisten anderen Hauptstädte. „Freiwilliges Trinkgeld ist in der japanischen Kultur nicht üblich. Wichtiger ist, dass man dem Restaurant, den Köchen und dem Personal Respekt zollt“, sagt ein in der Stadt lebender Reise- und Gastronomieexperte. Wenn man von der Getränkekarte bestellt, ist das gleichbedeutend mit Trinkgeld – also nie nach Leitungswasser fragen. In der Regel bestellt man mindestens ein Getränk pro Gast; in gehobenen Restaurants kann man nach einem begleitenden Gang fragen oder eine Flasche bestellen, um ein höheres Trinkgeld zu geben. Es ist unhöflich, bei einer Reservierung zu spät zu kommen. Nach japanischen Maßstäben bedeutet „pünktlich“, dass man 5 bis 10 Minuten zu früh kommt, um den Ablauf der Omakase-Verkostung nicht zu stören.

Paris

Im Gegensatz zu New York erhalten die meisten Mitarbeiter im Gastgewerbe in Paris ein existenzsicherndes Gehalt mit Sozialleistungen und Urlaubsgeld, und eine 15-prozentige Servicepauschale ist oft im Restaurant, in der Bar oder im Hotel in den Preis eingerechnet. Trotzdem gehört es zum guten Ton, einem Kellner mit einem höflichen Trinkgeld zu zeigen, dass man seinen Service zu schätzen weiß. Sie sollten selten mehr als 10 Prozent geben, es sei denn, der Service war wirklich beeindruckend – der Standard liegt zwischen 5 und 10 Prozent der Endrechnung. In kleineren Lokalen wie Bars oder Brasserien gibt es in der Regel ein Trinkgeldglas auf dem Tresen, in das das Kleingeld geworfen wird. Die Kellner sehen oder bemerken Trinkgelder bei Kartenzahlung nur selten, daher ist es immer besser, ein paar Euro übrig zu haben.

Rom

In Rom wird Trinkgeld im Allgemeinen nicht erwartet. Trinkgelder sind eine Art Bonus auf das Gehalt. Das soll nicht heißen, dass es nicht vom Personal geschätzt wird – als Anerkennung für  guten Service. Eine nette Geste ist es, zwischen 5 und 10 Prozent der Endrechnung zu geben. Prüfen Sie jedoch die Rechnung – es kann sein, dass die Restaurants bereits eine kleine Servicegebühr aufgeschlagen haben.

Sydney

Wie viel Trinkgeld man in Australien gibt, ist eine knifflige Frage. Für die meisten Einheimischen ist Trinkgeld nicht unbedingt ein wichtiger Teil der Gastfreundschaft, da die Gehälter so bemessen sind, dass sie die Lebenshaltungskosten decken. Aber wenn der Service gut ist und das Essen oder die Getränke ausgezeichnet sind, ist es in Sydney üblich, etwa 10 Prozent der Gesamtrechnung als Trinkgeld zu geben – ähnlich wie in London.

(red)

https://www.cntraveler.com/story/heres-how-much-you-should-tip-in-major-cities-around-the-world

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